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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



Elf Operetten und 14 Opern hat Stanisław Moniuszko (1819–1872) geschrieben. Zeitlich in der Mitte steht der rustikale Einakter „Fils“ (Der Flößer) von 1858. Schon die in den pathetischen Auftaktchor übergehende Ouvertüre beschwört naturmalend ein Gewitter am Weichselufer. Was folgt, ist typisch rührender, gut gelaunt nationalromantischer Moniuszko, liebenswürdige Melodien, die im Kontrast der Stilmittel, vor allem der Rhythmen von Oberek, Mazurka, Kujawiak oder Polonaise, die Folklore Polens feiern. Die so knappe wie schnörkellos erzählte Geschichte pendelt zwischen heiterem Rührstück und handfestem Schwank. Zosia will den Flößer Franek heiraten, der in einem Sturm auf der Weichsel vermisst wird. Ihr Vater hat andere Pläne mit ihr und dem Warschauer Friseur Jakub. Doch als der junge Flößer in dem albernen Nebenbuhler seinen verschollenen Bruder erkennt, verzichtet dieser auf die arrangierte Ehe und das junge Paar kann heiraten. Fabio Biondi findet mit seinem auf historischen Instrumenten spielenden Ensemble Europa Galante den beweglichen wie idiomatisch richtigen Tonfall. Eine Riege hervorragender polnischer Sänger kann in den griffigen Arien, zwei Duetten sowie einem kleinen Quartett glänzen. Ewa Tracz singt die Dumka der Zosia mit apartem Sopran, Matheus Pompeu tenorleuchtet in der eher undankbaren Rolle des Franek während Mariusz Godlewski in der komischen Barbierrolle baritonabräumt. Aleksander Teliga gibt dem Vater Bassnachdruck. Eine hübsche Entdeckung.

Matthias Siehler, 15.08.2020



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