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Diverse

„68 Ave Maria aus sieben Jahrhunderten“

Andrea Chudak, Julian Rohde, Matthias Jahrmärker

Antes/Orchard-Bertus BM79001
(228 Min., 10/2019) 5 CDs

Der an vieles gewöhnten Friedenskirche Potsdam müssen Ende Oktober 2019 gleichwohl die steinernen Ohren geklungen haben: Die Produzentin und Sopranistin Andrea Chudak hat dort im Endergebnis auf fünf, insgesamt 228 Minuten langen CDs 68 verschiedene Ave Marias gebannt. Ein Akt der Liebe wie der Neugier, davon dürften 66 wahrlich unbekannt sein. Denn obwohl der Mariensang sicherlich zu den beliebtesten Vertonungen überhaupt gehört, für fast jede mögliche Vokal- wie Instrumentalkombination, so sind doch nur zwei wirklich im Umlauf, ja zu Schlagern geworden: die freie Vertonung nach Walter Scott durch Franz Schubert, und die schmeichelnde Melodie, die der frech covernde Charles Gounod über das Bachsche C-Dur-Präludium gelegt hat. Diese beschließt dieses gigantische, mit Blümchen und Gräsern zeichnerisch verzierte Jungfrauenlob-Konvolut; und man weiß danach auch, warum die anderen damit nicht mithalten konnten. Doch für Orgel und Laute, Geige und Klavier, für Gitarre, a cappella, solo und im Trio finden sich auch sonst immer wieder durchaus hörenswerte Varianten von der Gregorianik bis zur Gegenwart. Nur eines darf man nicht machen: Diese marianische Kollektion hintereinander hören. Da droht Überfütterung! In kleinen Dosen ist das freilich durchaus zu genießen, was von Hildegard von Bingen bis Stefan Antweiler reicht, Pseudobarock von Giulio Caccini, in der UdSSR-Ära von Wladimir Fjpdorowitsch Wawilov angereichert. Geografisch reicht das Repertoire von Brasilien (Heitor Villa-Lobos) bis Kanada (Lembit Avesson) und sogar Karl May und Robert Stolz wurden Marientäter. Das ist von Andrea Chudak selbst, dem Tenor Julian Rohde und dem Bariton Matthias Jahrmärker so sportiv wie kompetent musiziert.

Matthias Siehler, 29.08.2020



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