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Reinhard Febel

18 Studien nach J. S. Bachs „Kunst der Fuge“

Yaara Tal & Andreas Groethuysen

Sony 19439784132
(93 Min., 8 & 9/2019) 2 CDs

Johann Sebastian Bachs bereits Anfang der 1740er-Jahre begonnene „Kunst der Fuge“ BWV 1080 gilt zwar als eines der Manifeste der Kontrapunktik. Trotzdem hat sie bis heute im Konzertsaal oder auf Tonträger keinen leichten Stand. Selbst für Musikprofis und Bach-Kenner wie Andreas Staier macht es so gar keinen Spaß, sich durch diese komplexe Serie aus Fugen und Kanons arbeiten zu müssen. Doch auch Bearbeitungen für Saxofonquartett haben das sinnliche Vergnügungen kaum erhöht. Nun legt das Klavierduo Yaara Tal & Andreas Groethuysen jedoch eine Version vor, mit der selbst die größten Skeptiker wieder für die „Kunst der Fuge“ zurückgewonnen werden dürften. Denn der deutsche Komponist Reinhard Febel (Jahrgang 1952) hat sich mit seinen „18 Studien nach J. S. Bachs ‚Kunst der Fuge‘“ an eine kompositorische Neufassung gemacht – für die er aber keine einzige originale Bach-Note geopfert hat. Vielmehr hat Febel anhand von Tempo- und Rhythmusveränderungen, Echowirkungen und Klangfarbenverfremdungen, aber auch über hinzugefügte Obertöne eine raffinierte, reizvolle und manuell höchst anspruchsvolle Spielfläche kreiert. So muss etwa der Kontrapunktus 11 nun „Prestissimo possibile“ und damit doppelt so schnell wie gedacht gespielt werden. Doch Febel macht daraus nicht einfach eine plumpe Raserei für vier Hände. Die ständig ihre prägnant heraussteckenden Köpfe einzelner Noten sowie die rhythmischen Verwinklungen machen aus dem überkomplexen Ur-Gebilde jetzt ein Stück Minimal Music. Solche und weitere effektvolle Überraschungen wie etwa der heftige, scheinbar von einem Spielzeug-Klavier ausgelöste Funkenschlag gegen Ende des „Canons alla Decima“ sind nichts für Bach-Puristen. Die haben Febel, Tal & Groethuysen aber ja auch nicht im Sinn gehabt – mit diesem geglückten Update der „Kunst der Fuge“.

Guido Fischer, 29.08.2020



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