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Nikolai Kapustin, Alfred Schnittke

Cello-Konzerte

Eckart Runge, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Frank Strobel

Capriccio/Naxos C5362
(70 Min., 3 & 10/2019)

Für sein Solo-Debüt nach Ausscheiden aus dem Artemis Quartett (dem er als treuestes Gründungsmitglied 30 Jahre lang angehörte) ist Eckart Runge ein Coup gelungen. Das Cello-Konzert Nr. 1 von Nikolai Kapustin wurde ihm von dem im Juli verstorbenen Komponisten noch persönlich in Moskau übergeben. Fürs erste Cello-Konzert von Alfred Schnittke hat er sich dessen wohl besten Kenner (und Nachlassverwalter) Frank Strobel als Dirigenten gekrallt. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin ist gleichfalls mit dem russischen Idiom bestens vertraut. Erste Sahne! Lange nicht wurde ein Karriere-Warmstart mit solchem Aplomb gefeiert.
Nikolai Kapustin war zeit seines Lebens zurückhaltend in Bezug auf Orchesterwerke – und hinterließ hier vor allem sechs Klavierkonzerte. Umso faszinierter war er von der Vorstellung, für eine Big Band zu schreiben (womit er zu Sowjet-Zeiten schon anfing). Sein 1. Cellokonzert – von 1997, aber bislang unaufgeführt – setzt das Solo-Instrument ab Beginn als Jazz-Stimmungsmacher ein. Das überzeugt und macht Laune. Es besteht akute Mitwipp-Gefahr.
Da ist Schnittke gewiss härterer Toback. Sein 1. Cellokonzert, fertiggestellt 1986, also im Jahr nach dem ersten Schlaganfall, steht am Beginn einer letzten, höchst produktiven und der Krankheit abgerungenen Schaffensphase. Man spürt die Mühen – und zugleich die Kraft. Eckart Runge ächzt und hustet die elegischen Kantilenen mehr als dass er sie sänge. Umso erschütternder ist das Ergebnis. Zwei denkbar verschiedene „Transitions“ (so der Titel der CD). Innere Wandlungen zweier sehr verschiedener russischer Komponisten, die zu wenig gepflegt und wahrgenommen werden.

Robert Fraunholzer, 05.09.2020



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