Der türkische Pianist Fazıl Say ist ein Hans Dampf in vielen Kunstgassen. Als politischer Redner freilich ist er nach schweren Repressalien seitens seines Heimatlandes inzwischen konsequent verstummt. Um als modernistisch-eklektizistischer Tonsetzer mit bald schon 100 Opuszahlen umso nachhaltiger zu sprechen. Diese unterhaltsame CD vereint auf 70 Minuten sein gesamtes Schaffen für die Violine, das kurze, atmosphärisch-perkussive Solo „Cleopatra“, zwei Sonaten für Geige und Klavier sowie ein viersätziges, mit viel Schlagwerkelementen angereichertes Violinkonzert namens „1001 Nächte im Harem“. Say, der hier in dieser SWR-Koproduktion mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern auch die motorisch drängenden Pianoparts übernimmt, ist ein so origineller wie stimmungsvoller Kopf. Ihm gelingen eigenwillige, gern exotisch angehauchte und gewürzte Kompositionen, die mit wenigen Takten sehr intensiv tönen, die freitonal sperrig sich aufbäumen, aber auch versonnen harmonisch lange Geigenlegatolinien spinnen. Es ist eine verführerisch eloquente, auch virtuose Musik zwischen Orient und Okzident, traditionsgespeist, doch neugierig aufbrechend. Eine, die Volkslieder zitiert, über Tänze improvisiert, Jazzformen bricht. Die die Interpreten in bestem Licht scheinen lässt und ihnen Freude bereitet. Man merkt es am entspannt schillernden Ton von Friedemann Eichhorn, der sich durch die subtile Sonate swingt, aber auch die große, zwingende Geigenkonzertgeste kann, und ebenso an der generös freimütigen Dirigierhaltung Christoph Eschenbachs, dem diese orientalischen Gesten hörbar viel Spaß machen.

Matthias Siehler, 05.09.2020



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