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Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms, Max Reger, Morton Feldman

„Encounter“ (Klavierwerke)

Igor Levit

Sony 19439786572
(100 Min., 5/2020) 2 CDs

Mit Busoni- und Reger-Bearbeitungen der Werke Bachs und Brahms’ hat sich schon lange kein Pianist mehr die Finger schmutzig gemacht. Dabei entdeckt Igor Levit in den zehn Choral-Präludien von Bach-Busoni sowie in den von Max Reger arrangierten „Vier ernsten Gesängen“ erstrangige Werke für Klavier solo. Hochgradig lohnenswert.
Etwas zu nüchtern freilich – für den römisch-katholischen Busoni –, scheint Levit die Bach-Choräle anzugehen und trockenzulegen („Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 645, „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 659 etc.). Es herrscht eine irgendwie stumpfe, dröge und temperamentlose Stimmung. „In dir ist Freude“ BWV 615 etwa entbehrt aller Lyrik (die Busoni doch anstünde). Dagegen verringert sich der historische Abstand zu den (von diesem bearbeiteten) Brahms-Chorälen erstaunlich. Mit späten Werken wie „Es ist ein Ros entsprungen“ oder „Herzlich tut mich verlangen“ op. 122 hat sich, so scheint es, noch kein bedeutender Pianist auf CD befasst.
Max Regers sodann staubtrocken dargebotene Bearbeitung von Brahms’ „Vier Ernsten Gesängen“ suggeriert, dass eine Stimme fehlt – worin doch gerade die Pointe besteht. Oder ist dies dem Zweck einer ‚Pulsberuhigung‘ geschuldet (also Meditation), wozu Levit sich im Booklet emphatisch bekennt?! Auf Regers „Nachtlied“ (arrangiert von Julian Becker) folgt Morton Feldmans letztes, knapp halbstündiges Klavierwerk „Palais de Mari“ (1986): der mit Abstand überzeugendste Track. In sich gekehrt, weltabwesend und traumschön ergeht sich Levit hier in Sphären rätselhaftester Entrückung. Dieses Werk erst adelt die im Ganzen hochinteressante Auswahl. Es zeigt – als „Third encounter“, also als eine „Begegnung der Dritten Art“ –, wo Levit am besten ist. In der Moderne.

Robert Fraunholzer, 12.09.2020



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