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Thomas Tallis, William Byrd, Alfonso Ferrabosco, James MacMillan u. a.

„Spem in alium“ (Motetten u. a.)

ORA Singers, Suzi Digby

harmonia mundi HMM 902669
(70 Min., 7 & 12/2019) CD + Bonus-DVD

Um 1570 schrieb der Engländer Thomas Tallis seine vierzigstimmige Motette „Spem in alium“, zu der ihn der Italiener Alessandro Striggio mit seiner ebenfalls vierzigstimmigen Motette „Ecce beatam lucem“ inspiriert hatte. Das Bahnbrechende der Vokalwerke lag in ihrer riesigen Besetzung, mit der die einzelnen im Raum verteilten Chöre einen bis dahin ungekannten Allround-Sound boten. Anlässlich des 450. Jahrestages der Uraufführung von Tallisʼ Opus magnum ist das englische Vokalensemble ORA Singers unter der Leitung von Suzi Digby jedoch nicht den offensichtlichen Weg gegangen und hat Tallis nicht mit Striggio kombiniert. Vielmehr präsentiert man auf dem Jubiläumsalbum „Spem in alium“ die Weltersteinspielung der ebenfalls 40-stimmigen Motette „Vidi Aquam“ von James MacMillan. Und der Schotte kennt sich unüberhörbar gut in der Renaissance-Musik aus. Das Auftragswerk ist ganz im alten Stil geschrieben – wobei hier und da dann schon mal einzelne Vokalisen in den Sopranstimmen mit mächtigem (Musical-)Zuckerguss daherkommen. Über die Erlesenheit und Makellosigkeit, mit der die ORA Singers sich längst in die Beletage der Chorszene katapultiert haben, müssen aber sonst nicht viele Worte gemacht werden. Kostbarer, klangschöner, gänsehautgleich kann das nicht gesungen werden – ob Tallis oder all die anderen mehrstimmigen Chorwerke, die aus der Feder englischer, italienischer und flämischer Meister wie William Byrd, Alfonso Ferrabosco und Philip van Wilder stammen.

Guido Fischer, 12.09.2020



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