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Dimitri Schostakowitsch

Klavierquintett op. 57, Sieben Romanzen-Suite nach Gedichten von Alexander Blok

Trio Wanderer, Catherine Montier, Christophe Gaugué, Ekaterina Semenchuk

harmonia mundi HMM 902289
(57 Min., 2 & 8/2019)

Über Dmitri Schostakowitschs Schaffen als Spiegelbild von Opportunismus und Widerstand, von „offiziellem Sollen und persönlichem Wollen“ (Eckhardt van den Hoogen), ist viel geschrieben worden. Im Fall seines einzigen Werks für die klassische Klavierquintett-Besetzung sind jedoch erstaunlicherweise keinerlei musikästhetischen Zugeständnisse zu erkennen. Was vielleicht den Nerv der sowjetischen Musikpartei-Soldaten positiv getroffen haben mag, ist der überaus strenge, im Lamentohaften kulminierende Gestus, mit dem Schostakowitsch möglicherweise die dunklen Zeichen des Zweiten Weltkriegs aufgriff.
Auslöser für die Komposition waren hingegen ganz praktische Gründe. Nachdem Schostakowitsch 1938 sein Debüt als Streichquartettkomponist gegeben hatte, wünschten sich die Musiker des Beethoven-Quartetts nun ein Klavierquintett von ihm. Am 14. September 1940 war das Werk vollendet. Und zwei Monate später kam es zur überaus erfolgreichen Uraufführung im Moskauer Konservatorium mit dem Beethoven-Quartett sowie dem Komponisten am Klavier. Nun hat das französische Trio Wanderer samt Verstärkung (Violinistin Catherine Montier und Bratschist Christophe Gaugué) dieses fünfsätzige Opus aufgenommen, in dem es gleich im ersten Satz schmerzvoll und hoffnungslos tost. Dieser Gestus wird zwar auch im Folgenden weitgehend nicht abgelegt. Aber das aufgestockte Trio Wanderer-Ensemble war so klug, es mit der nachgezeichneten Dauerleidensmiene nicht zu übertreiben. Im Vergleich etwa zur jüngeren Einspielung des Quintetts durch das Belcea Quartet lässt man diese Musik viel direkter aus sich heraus sprechen. Und wie im „Fugen“-Adagio tun sich so selbst in den Momenten, in denen Klang in völlige Stille umzukippen droht, plötzlich abgrundtiefe Gräben und Klüfte auf. Auch diese loten und breiten die fünf Musiker mit einer Klarheit und Unmittelbarkeit aus, wie man es in der oftmals mit Klischees überfrachteten Schostakowitsch-Interpretation nur selten zu hören bekommt. Das zweite Hauptwerk bildet sodann die „Romanzen-Suite“ nach Gedichten von Alexander Blok, die Schostakowitsch 1967 geschrieben hat. Für die für Klaviertrio und Singstimme komponierten Lieder ist die Wahl auf die russische Mezzosopranistin Ekaterina Semenchuk gefallen. Welche Ausdrucksregister sie da mühelos, von letzten Zweifeln bis zum überdramatischen Flehen zieht, entpuppt sich als Glücksfall und Ereignis zugleich.

Guido Fischer, 26.09.2020



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