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Johann Sebastian Bach

Johannes-Passion

Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki

BIS/Klassik Center BISSACD-2551
(105 Min., 3/2020) 2 SACDs CDs

Diese Johannespassion ist ein großer Wurf, überzeugend in ihrer mitreißenden Dramatik, die den Passionsbericht zu beklemmender Unmittelbarkeit verdichtet. Hierzu trägt maßgeblich James Gilchrist bei, der die Evangelistenpartie auf Basis seiner unschätzbaren Bach-Erfahrung, seiner überwältigenden erzählerischen Präsenz und seiner tiefen Verbundenheit mit dem Textinhalt zu einem großartigen Erlebnis macht. Masaaki Suzuki selbst sorgt vom Cembalo aus für eine druckvolle Stringenz besonders im ereignisreichen zweiten Teil, die einem immer wieder förmlich die Kinnlade herunterfallen lässt. Christian Immler verleiht der Christuspartie mit seiner herrlich timbrierten Bassstimme eine jugendliche Kraft und vermittlerische Intensität, die ihresgleichen sucht. Chor und Orchester agieren mit höchster Präzision, perfekt aufeinander abgestimmt und in höchstem Maße sprachaffin – schon der Eingangschor ist eine Offenbarung in puncto musikalisch-rhetorische Dichte. Suzukis persönliches Bekenntnis zum protestantischen Glauben schlägt sich nieder in einer detailreich packenden Erzähl-Kunst, die das gesamte Ensemble ergreift und voranträgt. Da ist es leicht zu verschmerzen, dass im gesangssolistischen Bereich neben den genannten Spitzenleistungen auch einzelne Darbietungen zu hören sind, die vielleicht eher in die Kategorie „1b“ fallen. Was zählt, ist der Gesamtduktus dieser Einspielung, die im März 2020 spontan in Köln entstand, wo das Ensemble auf einer Johannespassion-Tournee coronabedingt gestrandet war. Wenn beherzte, entschlussfreudige Künstler und Label-Verantwortliche die Gunst der Stunde so visionär zu nutzen verstehen, kann selbst aus dem Pandemie-Unglück etwas Positives erwachsen – das seine besondere Qualität vielleicht gerade der Ausnahmesituation verdankt.

Michael Wersin, 10.10.2020



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