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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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John Adams

„Must the Devil…“, „China Gates“

Yuja Wang, Los Angeles Philharmonic, Gustavo Dudamel

DG/Universal 4838950
(31 Min., 11/2019) LP

Die anglofone Welt gefällt sich gegenwärtig in neuen, virtuosen Werken für Klavier und Orchester. Nachdem es gerade von Thomas Adès gleich zwei neue Alben gab, war auch Amerikas führender Neutöner John Adams nicht faul. Der hat – als Bestellung des Los Angeles Philharmonic, das unter seinem temperamentvollen Chef Gustavo Dudamel auch richtig Begleitungszunder gibt – einen Dreisätzer für den Tasten-Wirbelwind Yuja Wang komponiert. Uraufführung war im März 2019, im Spätherbst stand es neuerlich auch für die Mikros auf dem Programm. Seither hat es Wang im augenblicklich eingelagerten Tourneegepäck. Es ist mindestens John Adamsʼ drittes großes Piano-Werk, war coronabedingt zunächst nur als Download oder beim Streamingdienst erhältlich, erscheint nun aber doch noch auch auf Vinyl. „Must the Devil Have All the Good Tunes?“, stoßseufzt das Concerto mit einem angeblichen Luther-Zitat, denn der Kalifornier war noch nie um einen guten Titel verlegen. Und schon die Tempobezeichnung für den 1. Satz „Gritty, Funky, But in strict Tempo; Twitchy, Bot-Like“ macht klar, wie ironiegesättigt und gleichzeitig groovy es zugeht. Moderat minimalistisch legt es los, steigert sich in moderner Liszt-Manier zu danse macabre und Mephisto-Walzer in einem. Yuja Wang spielt solches diabolisch glitzernd mit Lust und Verve, gefällt sich in den filmmusikalisch anmutenden Anspielungen und brennt genau das eklektizistische, höchst unterhaltende Feuerwerk ab, das Adams hier im Sinn hat. Man kann der „L.A. Times“ bei diesem satanischen Trillertornado nur beipflichten: „Es stimmt, der Teufel hat immer noch dieselben Tricks. Aber was für ein Teufel! Und was für Tricks!” Als leisen, versöhnlichen Ausgang gibt es als Zugabe das 1977 komponierte „China Gates“ in Form einer träumerischen Coda.

Matthias Siehler, 17.10.2020



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