home

N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



Manche Opern-Gesamtaufnahmen sind besser als die Live-Aufführungen vor Ort. So war es vor Jahren mit Alessandro Scarlattis „Griselda“ unter René Jacobs. So ist es jetzt mit „Polifemo“, dem Opern-Durchbruch des 32-jährigen Giovanni Bononcini in Berlin. Von Bononcinis 27 Opern hat sich kaum etwas auf CD verirrt. Nur von „Polifemo“, ausgerechnet, gibt es eine Wiener Aufnahme von 1944 mit Herbert Alsen und Anton Dermota. Wir haben es, mit anderen Worten, mit einer Art Neu- und Kaltstart in Bezug auf den ursprünglichen Komponisten des „Ombra mai fu“ zu tun, welcher 1720 gemeinsam mit Georg Friedrich Händel nach London ging.
Auch für die Flötistin Dorothee Oberlinger ist es ein Debüt: als Operndirigentin. Etwas lau und lasch mögen manche Akzente kommen. Ihr Atmen mit den Sängern aber nützt dem Fluss der Aufnahme tatsächlich. Die Liebesgeschichte von Acis und Galathea, die sich den Nachstellungen des Zyklopen Polifem erwehren müssen, nahm 1702 eine Mittelstellung zwischen Lullys und Händels Versionen des Stoffes ein.
Mit João Fernandes steht ein lustig polternder Titel-Riese zur Verfügung. Roberta Invernizzi kommt als Galatea etwas ältlich herüber. Eine Entdeckung ist die (in Fachkreisen längst herumgereichte) Roberta Mameli als Silla. Etwas spitzig: Liliya Gaysina (Circe). Eine kleine Sensation ist das erstmalige Erscheinen des brasilianischen Sopranisten Bruno de Sá, der in der Rolle des Aci bis zum dreigestrichenen c hinaufzwitschert. Dass hier ein Mann singt, würde man nicht mehr denken. Zu hoffen ist, dass es nun auch mit der Rezeption dieses in Schlichtheit reüssierenden Barock-Kleinmeisters vorangeht. Die Aufnahme ist sehr schön.

Robert Fraunholzer, 17.10.2020



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


Abo

Top