Goethe war gut. Gerade scheinen seine deutschen Singspiele wieder besonders Konjunktur zu haben. Neben der Ersteinspielung von Kaysers „Scherz, List und Rache“ kann sich der interessierte wie unermüdliche Musiktheatertrüffelsucher auch mit einer weiteren Variante der insgesamt 27 Mal vertonten bukolische Farce „Jery und Bätely“ bekannt machen. Verfasst 1780 für die Eröffnung des neuen Weimarer Theaters, verwandelte sie 1871/72 auch die schwedischstämmige Petersburgerin Ingeborg Starck (1840–1913) in ein Singspiel. Die studierte in Weimar bei Liszt und heiratete später den Komponisten, Pianisten und Hannoveraner Hofintendanten Hans Bronsart von Schellendorf. Die lange Ouvertüre plus 15 Lieder, Duette, Terzette und ein Quartett, die durch gesprochene Dialoge verbunden sind, klingen sehr schubertisch; insgesamt fängt die Partitur gekonnt den ländlichen Tonfall ein, der Goethe auf seiner zweiten Schweizer Reise im Oberland so begeisterte. Da Ingeborg Bronsart als Frau Intendantin nicht mehr auftreten durfte, komponierte sie und wurde zu einer Pionierin der deutschen Operngeschichte. Naxos präsentiert ihren sympathischen Erstling als Produktion des Opernhauses Malmö unter der musikalisch vitalen Leitung des Raritätensammlers Dario Salvi. Vier Personen bevölkern die simple Komödie, in der die rustikale Milchmagd Bätely, die mit ihrem Vater auf einer Alm im Kanton Uri lebt, erst in die Heirat mit dem Käser Jery einwilligt, nachdem dessen tollpatschiger Freund Thoms ihm ein blaues Auge geschlagen hat. Das hört sich hübsch und resch an, aber leider singt Harrie van der Plas (Jery) viel zu schwerfällig, Caroline Bruker (Bätely) scharf und mit zu viel Akzent. Laurence Kaladjian (Thomas) und der junge Sönke Tams Freier (Vater) hören sich besser an.

Matthias Siehler, 17.10.2020



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