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Georg Friedrich Händel

Oratorium "Il trionfo del tempo e del disinganno"

Deborah York, Gemma Bertagnolli, Sara Mingardo, Nicholas Sears, Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini

Opus 111/Helikon Harmonia Mundi 30321
(133 Min., 9/2000)

"Der liebe Sachse" wurde Georg Friedrich Händel in Italien - dem Künstler-Mekka des 17. und 18. Jahrhunderts - genannt, und allein diese Bezeichnung zeigt, wie erfolgreich er jenseits der Alpen war. 1706, also mit einundzwanzig Jahren, zog er erstmals nach Süden und fand in dem römischen Kardinal Benedetto Pamphili einen ebenso reichen wie musikverständigen Förderer. Der Schöngeist Pamphili betätigte sich als Dichter, und er schrieb für Händel das Libretto des Oratoriums "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno", das im Jahre 1707 entstand und zu dieser Zeit wahrscheinlich auch uraufgeführt wurde.
Die Musikwissenschaftler sind sich nicht ganz sicher, vermuten aber, dass Arcangelo Corelli bei dieser Aufführung das Orchester leitete - und die reizvollen Violinsoli übernahm, die Händel der Barocklegende dann sicher direkt in die Finger komponiert hat. Sicher ist: Bei dem Werk handelt es sich um Händels erstes Oratorium; es folgt stilistisch freilich der italienischen kantatenhaften Ausprägung der Gattung und ist eher mit einer Oper als mit Händels späteren oratorischen Werken zu vergleichen (so verzichtete Händel hier zum Beispiel auf den Chor).
Der stereotype Wechsel von Rezitativen und geschlossenen Gesangsnummern und die Handlung (ein Streit zwischen den allegorischen Figuren Schönheit, Vergnügen, Enttäuschung und Zeit) wirken auf heutige Hörer vielleicht etwas trocken und befremdend; wer sich darauf einlässt, wird jedoch herrliche unbekannte Händel-Arien entdecken – und noch etwas mehr: So hat Händel zum Beispiel ein konzertantes Orgelsolo mit Orchesterbegleitung eingebaut, das als erstes Orgelkonzert der Musikgeschichte gilt.
Interpretation und Klangbild sind tadellos. Das Werk erklingt in einem leicht halligen Raum, den Musikern gelingt das Kunststück, authentisch zu musizieren, und trotzdem den Schwerpunkt auf die sinnliche Seite dieser Musik zu legen.

Oliver Buslau, 02.08.2001



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