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Johannes Brahms, Jörg Widmann

Klarinettensonaten, Intermezzi

Jörg Widmann, András Schiff

ECM/Universal 4819512
(65 Min., 5/2018)

Unter dem Strich gesehen, passiert hier bis auf einige Ausnahmen an der Oberfläche der beiden Klarinettensonaten von Johannes Brahms nicht viel. In der Sanftheit und der Ruhe liegen da Kraft, Schönheit und Ausdruck. Wobei das herbstblättrig Melancholische sich wie ein roter Faden durch die kammermusikalischen Schwanengesänge von Brahms zieht (eher diesseitig volksmusikalisch geht es nur im 3. Satz der f-Moll-Sonate op. 120/1 zu). Und trotzdem packt einen in diesen bittersüßen Seelengesängen jeder Ton, jede Geste, jede Wendung sofort – und lässt den Hörer nicht mehr los. Vorausgesetzt, die Werke werden so pur, so ganz ohne pathetische Einfärbungen und dennoch so intensiv berührend vorgetragen wie von diesem Ausnahmeduo. Der Klarinettist Jörg Widmann und der Pianist András Schiff musizieren da derart auf einer Wellenlänge, auf einem Atem und dialogisch, dass man Brahms rückblickend vorwerfen muss, dass er nur diese beiden Sonaten für Klarinette und Klavier geschrieben hat. Immerhin bieten sich für Widmann & Schiff – als Fortsetzung ihrer diskografischen Freundschaft – jetzt noch ein Klarinettentrio und -quintett von Brahms an. Als Scharnier zwischen den Sonaten fungieren hier übrigens fünf Klavier-„Intermezzi“, die Widmann für Schiff komponiert hat. Und mit diesen Stücken outet sich Widmann nicht nur als Brahmine, sondern einmal mehr auch als ein Freund Robert Schumanns.

Guido Fischer, 24.10.2020



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