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Johann Sebastian Bach, György Kurtág

Solo II

Tabea Zimmermann

Myrios/harmonia mundi MYR 026
(56 Min., 10 & 11/2018)

Das letzte Album von Tabea Zimmermann war ein vergleichsweise gefällig-zugängliches. „Cantilena“ hörte in vielsaitigen Bearbeitungen gemeinsam mit dem Klavierpartner Javier Perianes dem spanisch grundierten Singen auch auf der Bratsche nach. Jetzt gibt sich die frischgebackene Siemens-Musikpreisträgerin, die immer auch ein großes, kompetentes Herz für die Moderne hatte, wieder strenger, aber trotzdem angenehm zu hören. „Solo II“ ist nach zehn Jahren die Nachfolgeplatte ihrer ersten aufgenommenen Auseinandersetzung mit den Bach-Solocellosuiten Nr. 1 & 2. Die Nummern 3 und 4 stehen diesmal an. Wo Zimmermann früher mit Max Reger kombinierte, da ummantelt sie jetzt György Kurtágs Zyklus „Signs, Games and Messages“, aus dem sie sechs Nummern zu ihrer persönlichen Hommage an Bach fügt; darunter auch die nur einminütige Nr. 11 „…eine Blume für Tabea…“. Auf dem schönen Titelfoto sieht man diese grandiose Violaspielerin von hinten in einem flamboyant gemusterten Umhang sich entfalten, so gelöst, tänzerisch einladend spielt sie auch ihren Bach; ebenso federleicht den schrägen, kratzenden, flüsternden Kurtág. Und wenn auch keiner weiß, für welche Art von damals noch sehr variablem Cello Bach eigentlich geschrieben hat, Tabea Zimmermann macht solche Fragen vergessen. Sie hat wunderfeine Nuancen der Melancholie zur Verfügung, aber auch fein facettierte Daseinsfreude, losgelassen und aufgelöst. Mit großer Neugierde und Offenheit wird da auf die Noten gelauscht. Auch auf ihrer Vatelot-Viola von 1980, mit klassischem Bogen gespielt, klingt diese oft gehörte Bach-Musik rund, profund, satt, doch gleichzeitig irgendwie flexibler, leichter, ohne jede Erdenschwere und dabei schokoladig tönend. Sehr lecker das!

Matthias Siehler, 31.10.2020



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