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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Sergei Tanejew, Jean Franҫaix, Joseph Haydn, Zoltán Kodály, Franz Schubert, Hans Krása, George Enescu

„Paris - Moscou“

Trio Goldberg

Ars Produktion/Note 1 ARS 38309
(64 Min., 2/2020)

Vielleicht ist der Alben-Titel „Paris - Moskau“ in Verbindung mit den Bahnschienen, auf denen der Fototermin für das hübsche Cover stattgefunden hat, nur eine Verlegenheitslösung, um das europäisch bunte Programm zu legitimieren: Eine Zugverbindung von der französischen zur russischen Metropole, die über Wien (Schubert) und Budapest (Kodály) führt, existiert nicht. Auch würde man auf dem imaginären Weg von Haydn und Schubert zu Tanejew und Franҫaix nicht nur verschiedene Zeitzonen, sondern gleich mehrere Jahrhunderte durchfahren. Aber wozu überhaupt die nomenklatorischen Klimmzüge? Das Programm ist, so wie es eben ist, famos zusammengestellt und trotz seines weitgehend munter-tänzerischen Tonfalls auch keineswegs „nur“ unterhaltsam: Faszinierend, wie man nach den satztechnisch leicht klassizistischen Klängen des h-Moll-Trios von Sergei Tanejew ganz unvermittelt in die stilisiert-salonmusikalische Welt von Jean Franҫaix hineinschliddert, um dann sogleich von einem ganz unschuldigen Haydn-Ständchen („Allegretto e innocente“) in Empfang genommen zu werden. Kodálys „Intermezzo“ scheint dann Joseph Haydns Gestimmtheit retrospektiv in eine andere Zeit hinüberzunehmen und dabei deutlich in Wehmut zu tauchen. Hernach erleben wir auch Franz Schubert im Dialog mit seinen geliebten klassischen Vorbildern, deren entwaffnender Klarheit er mit so viel Sehnsucht nachtrauerte. Hans Krásas „Tanec“ von 1943 gerät dann mit Blick auf das Schicksal des Komponisten – er starb 1944 in Auschwitz – zum beklemmenden Totentanz, von dessen überwältigender Wirkung man sich auch mit Enescus „Aubade“ von 1899 nicht wirklich zu erholen vermag. Ein mitreißendes, bewegendes, in Teilen erschütterndes Programm, das seinen Titel „Paris - Moskau“ im Nachklang zu einer weitgefassten, Nationalitäten umspannenden Überschrift für einen europäischen Kulturbegriff anwachsen lässt, auf dessen abgrundtief düsterer Schattenseite Bahnschienen eben auch als Symbol für den Transport in den Tod stehen können.

Michael Wersin, 31.10.2020



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