Ein ganz und gar wunderbares, besonderes Album. Das beginnt schon mit der einzigartigen Sängerin. Ermonela Jaho ist eine unglaublich berührende, sich wirklich emotional verströmende Sopranistin. Die 46-jährige Albanerin hat eine Zeit gebraucht, bis die Opernwelt ihre besondere Gabe entdeckt hat, gerade die femmes fragiles der Verismo-Ära in ein ganz eigenes Klangkleid zu hüllen. Eine bessere Madama Butterfly gibt es gegenwärtig nicht, das gleiche gilt für ihre Suor Angelica oder auch die Traviata. DVDs und eine „Zazà“-Gesamtaufnahme mit ihr wurden inzwischen aufgenommen. Auf ihrem ersten Solo-Album aber widmet sie sich jetzt nicht nur diesem Repertoire, „Anima Rara“, die „einzigartige Seele“, möchte zudem die Kunst der Rosina Storchio (1872–1945) beschwören, als erste Madama Butterfly die Muse von Puccini (sowie Geliebte Arturo Toscaninis) und Leoncavallo, Giordano, Catalani und Mascagni. Von diesen allen sind hier Arien versammelt, aber auch Storchios Repertoire-Hits von Massenet, Boito und Verdi. So wechselt sich, fein begleitet vom Orquestra de la Comunitat Valenciana unter Andrea Battistoni, Bekanntes aus „Madama Butterfly“, „Mefistofele“, „Manon“, „La traviata“ und „La Wally“ mit Raritäten aus „Iris“, „Sapho“, „Lodoletta“ oder „Siberia“ ab. Ermonela Jaho, die durchaus gerade vor dem Mikrofon auch ein wenig säuerlich klingen kann, entfaltet dennoch für jeden Charakter ein individuelles Fluidum aus Vokalparfüm, schwebenden Vibrati und verhauchenden Pianissimi. Sie kost und streichelt diese Noten, singt sie mit dramatischer Leidenschaft und lyrischer Seele. Eben eine Anima rara.

Matthias Siehler, 07.11.2020



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