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Georg Friedrich Händel

Apollo e Dafne, Schauspielmusik zu "The Alchemist"

Olga Pasichnyk, Robert Pomakov, Barockorchester der Europäischen Gemeinschaft, Roy Goodman

Naxos 8.555712
(57 Min., 10/2000) 1 CD

Ach wie beneiden wir die schöne Nymphe: Als Apollo Lust hat, sie aber nicht, muss sie keine Migräne vortäuschen, sondern verwandelt sich einfach in südländisches Grünzeug. Bis es so weit gekommen ist, dass der Gott unter traurigem Gesang vom geliebten Lorbeer ablässt, vergehen allerdings gut vierzig Minuten, etliche längere Rezitative, zwei Duette sowie vor allem acht Da-capo-Arien, die im Falle der Dafne (federleicht: Olga Pasichnyk) schön, aber lang und im Falle des Apoll (bei Koloraturen und in der Tiefe leicht überfordert: Robert Pomakov) nur ganz schön lang sind.
Grundsätzlich ist das Werk aber hübsch: eine frühe Kantate Händels, noch ganz dem italienischen Gusto und dem großen Vorbild Domenico Scalattis verpflichtet. Die dramatischen Elemente, die zumal der Orchesterpart enthält, reizen die Nachwuchs-Authentiker des Barockorchesters der Europäischen Gemeinschaft unter der in barocker Rhetorik kundigen Leitung Roy Goodmans ebenso aus wie die klangfarblichen Schönheiten, die Händel seiner Partitur einkomponierte.
Zugegeben wird die Schauspielmusik zu Ben Jonsons Drama "The Alchemist", die ein unbekannter Zeitgenosse aus Versatzstücken der "Rodrigo"-Ouvertüre zusammenstellte: auch dies ein Kuriosum, das man vielleicht nicht unbedingt gehört haben oder gar besitzen muss. Allein um das Stück zu wissen, wirkt schließlich schon gebildet genug. Und reicht. Glauben Sie mir.

Susanne Benda, 11.10.2001



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