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Franz Schubert, Ernst Krenek

Sinfonie C-Dur D.944 „Die Große“ / „Statisch und Ekstatisch“

The Cleveland Orchestra, Franz Welser-Möst

TCO/Note 1 TCO0002
(77 Min., 3/2020) SACD

Weit ausladendes Melos vs. pointillistische Reduktion, ansteckender Schwung vs. radikale Slow-Motion sowie großer Orchesterapparat vs. röntgengleich eingesetztes Kammerensemble – auf diese drei Nenner könnte man den Charakter dieses Gegensatzpaares bringen, das das Cleveland Orchestra unter seinem Chef Franz Welser-Möst für sein Album ausgesucht hat. Hier Franz Schuberts sinfonischer Ohrwurm in C-Dur, dieser auch als „Die Große“ bezeichnete Gattungsklassiker. Dort: Ernst Kreneks 1973 uraufgeführtes, aus zehn kurzen Stücken bestehendes Werk „Statisch und Ekstatisch“.
Kompositionen zweier Wiener also, mit denen Welser-Möst gleichermaßen einen Gruß in die alte österreichische Heimat geschickt haben mag. Und so vollkommen unterschiedlich diese klangsprachlich auch daherkommen, so erweist sich das Cleveland Orchestra dafür als ein idealer, durch die Bank mit exzellenten Solisten besetzter Resonanzkörper. In bester Kapellmeister-Tradition verzichtet Welser-Möst bei Schubert auf äußere Virtuosität und legt stattdessen höchsten Wert auf mustergültige Phrasierungskunst bei gleichzeitig aus dem Geist der Kammermusik entwickelten Spannungsbögen (1. Satz) sowie ansteckender Nonchalance (etwa beim luftigen Treiben des 3. Satzes.) Bei den zwischen 60 Sekunden und drei Minuten dauernden Miniaturen „Statisch und Ekstatisch“ fesselt das Cleveland Orchestra hingegen mit jenem gereizten Ton, zerfasertem Gewebe und hochpoetisch expressionistischer Wild- und Schönheit, mit denen Krenek seine Nähe und Seelenverwandtschaft zur Zweiten Wiener Schule um Arnold Schönberg und Anton Webern bezeugte.

Guido Fischer, 14.11.2020



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