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Pjotr Tschaikowski

Schwanensee (Auszüge)

Philharmonia Orchestra London, Santtu-Matias Rouvali

Signum/Note 1 SIGCD648
(42 Min., 11/2019)

Der 34-jährige Finne Santtu-Matias Rouvali ist ein umschwärmter Künstler. Der Dirigent wirkt seit 2013 als Chef des Philharmonischen Orchesters Tampere, wo er wohnt. Seit 2017 übt er zudem das gleiche Amt bei den Göteborger Symphonikern aus, mit denen er auch für das Label Alpha aufnimmt. Seit 2018 ist er des Weiteren – in der Nachfolge seines Landsmannes Esa-Pekka Salonen – Principal Conductor beim Philharmonia Orchestra London, mit dem er jetzt seine erste, 2019 aufgenommene CD bei Signum vorgelegt hat. Eine einigermaßen ungewöhnliche Wahl: Pjotr Tschaikowskis „Schwanensee“, noch dazu nur in Auszügen, die gerade einmal 42 Minuten Spielzeit füllen. Ein aufs Populäre schielender Schnellschuss, so mutet auch Rouvalis etwas ziellose Interpretation an. Ein wirkliches Konzept ist nicht festzustellen, auch scheint er, seine wenig kohärenten Tempi offenbaren es, wenig Erfahrung als Ballettdirigent zu haben. Manches klingt gedehnt, anderes verhetzt, man weiß nicht, geht es ihm um das konzertante Erleben dieser farbenreich orchestrierten, prunkvoll klangfunkelnden Partitur oder um ein tieferes, tänzerisches Erspüren? So ist das eine bisweilen lärmige Tuttifrutti-Collage schöner Stellen, gehobene Kursaalmusik, gewürzt mit plötzlichen Accelerandi und ebenso überraschenden Ritardani. Auch wenn das Orchester gekonnt brilliert. „Sehe die Musik, höre den Tanz”, hat der Choreograf George Balanchine immer wieder gefordert. Dieses wunderbare Paradox stellt sich in dieser Aufnahme nicht ein. So bleibt es eine Abfolge bunt gemixter Wunschkonzert-Höhepunkte, veredelt durch seelenvolle Oboen- und seidige Geigensoli. Da hätte man von einem spannenden Dirigier-Youngster, der Santtu-Matias Rouvali eindeutig ist, ein wenig mehr erwartet.

Matthias Siehler, 14.11.2020



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