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Hugo Wolf, Pjotr Tschaikowski u. a.

„Italian Postcards“ (Streichquartette)

Quartetto di Cremona, Ori Kam, Eckart Runge

Avie/hm AV 2436
(66 Min., 12/2019)

Italien übt auf Musiker diesseits der Alpen seit jeher eine besondere Faszination aus. Das hervorragende Quartetto di Cremona stellt auf seinem neuen Album Werke von Komponisten vor, die sich durch ihre Bewunderung für das Land inspirieren ließen. Eine dieser musikalischen „Postkarten“ stammt von dem jungen Wolfgang Amadeus Mozart, der Italien zum ersten Mal mit 14 Jahren besuchte. In einem Gasthaus der lombardischen Stadt Lodi schrieb er an einem Abend im März 1770 die ersten drei Sätze seines anmutigen Streichquartetts Nr. 1 G-Dur KV 80. Cristiano Gualco, Paolo Andreoli, Simone Gramaglia und Giovanni Scaglione, die auf historischen Instrumenten von Amati, Testore und Torazzi spielen, entlocken beispielsweise dem Allegro eine geradezu sprühende mediterrane Lebensfreude. Von ironischer Leichtigkeit ist Hugo Wolfs „Italienische Serenade“, die er 1887 rasch zu Papier brachte. Hinter der heiteren Fassade verbarg sich allerdings Schwermut, nach einem Selbstmordversuch kam er später in die Wiener Landesirrenanstalt. Mit „Cieli dʼItalia“ op. 88 präsentiert das Quartett ein vielschichtiges Auftragswerk des britisch-französisch-israelischen Komponisten Nimrod Borenstein, das hier erstmals auf CD zu hören ist. Vor dem inneren Auge meint man irisierende Wolken zu sehen, die am Himmel ineinanderfließen, um sich dann wieder zu teilen. Ein großer Italien-Liebhaber war auch Pjotr Tschaikowski, der 1890 einige Monate in der Toskana verbrachte. Sein Streichsextett d-Moll op. 70 „Souvenir de Florence“ bezaubert mit eingängigen Melodien und mitreißenden Rhythmen. Das klangschön musizierende Quartett wird bei diesem Stück durch den Bratscher Ori Kam und den Cellisten Eckart Runge, ehemals Mitglied des Artemis Quartetts, verstärkt. Ein Album zum 20. Jubiläum des Ensembles, das höchsten Hörgenuss bietet!

Corina Kolbe, 28.11.2020



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