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Georg Friedrich Händel, Johann Adolph Hasse, Alessandro Scarlatti u. a.

„La vanità del mondo“ (Oratorien-Arien)

Philippe Jaroussky, Ensemble Artaserse

Erato/Warner 9029517929
(73 Min., 6/2020))

Philippe Jaroussky hat schon in den verschiedensten Arten von Barockmusik brilliert, aber das intime, chorlose Barockoratorium, wie es vor allem die italienischen Komponisten an der Wende zum 18. Jahrhundert mit großer Meisterschaft und stilistischer Varianz nicht selten auch als Opernersatz in der Fastenzeit pflegten, das war schon immer ein Wunschterrain von ihm. Dem er sich jetzt auf seinem neuen Album erstmals nachhaltiger angenähert hat; die nachdenkliche Zeit der letzten Monate hat die Beschäftigung vielleicht sogar noch verstärkt. Und der inzwischen 42-jährige Countertenor, dem es länger schon um Intensivierung denn um mehr Virtuosität geht, ist begeisternd fündig geworden. Mit bewährter Spürnase hat er insgesamt zwölf Arien von neun Komponisten ausgewählt. Neben berühmten Namen wie Händel, Hasse, Caldara, Bononcini und Scarlatti finden sich weitgehend unbekannte Tonsetzer wie Pietro Torri, Nicola Fago, Fortunato Chelleri. Es gibt vokales Feuerwerk, aber die meisten Stücke sind kontemplativ. Fünf Weltersteinspielungen sind dabei. Er selbst dirigiert dabei mit Aplomb sein Ensemble Artaserse. Es ist schön zu hören, wie Jarousskys immer noch himmlisch reine Stimme, die hier einen Engel, ja sogar Gott verkörpern darf, an Tiefe und Fülle gewonnen hat, auch wenn er nicht mehr in höchster Höhe seiltänzeln muss. Versenkung und Hingabe, das Ausloten des Textes beeindrucken umso mehr. In Chelleris „Dio sul Sinai“ singt er sogar mit sich als Moses im divinen Duett. Ähnlich wie seinem jüngeren Kollegen Jakub Józef Orliński im letzten Jahr, mit einem thematisch ähnlich gelagerten Album, gelingt Philippe Jaroussky auf „La vanità del mondo“ eine passend herbstliche Ariensammlung. Und sein Singen ist nie eitel.

Matthias Siehler, 12.12.2020



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