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Samuel Scheidt, Erik Satie u. a.

„Time Zones“

Lautten Compagney, Wolfgang Katschner

dhm/Sony 19439807952
(71 Min., 8/2020)

Was, in Gottes Namen, haben Erik Satie und Samuel Scheidt gemein? Nun gut, beide waren Betriebs-Outlaws (in Paris und Halle). Doch während der eine reichlich anarchisch drauf war, beanspruchte der andere, „nach dem alten Schrot und Korn“ zu komponieren. Eigensinnig, aber konservativ. Wenn schon.
Sobald man winzige Werke von Satie und Scheidt aber in eigenen, neuen Instrumentierungen miteinander kombiniert, wie das die Lautten Compagney hier tut, gleichen sich beide Komponisten natürlich ganz erstaunlich einander an – obwohl sie durch drei Jahrhunderte voneinander getrennt sind. Scheidt ließ die Instrumentierung offen. Satie wurde von Bo Wiget für diese CD neu arrangiert. Tut gleichfalls nichts. Die hier angerührte Melange gehört zum Reizvollsten, was die Lautten Compagney überhaupt gemacht hat.
Das geht damit los, dass man sich oft genug bei der Frage ertappt, ob das hier nun gerade Scheidt oder Satie sein mag. Und es gibt Fälle, wo man zur Sicherheit zum Booklet greift. Schwerer wiegt, dass außer Saties „Gnossienne No. 4“ und der „Sarabande“ den meisten Hörern nichts im Ohr sein dürfte von diesen Kleinigkeiten. Dennoch geht alles wunderbar leicht ins Ohr. Vielleicht sogar zu leicht? Die Stachligkeit beider Solitäre verliert sich nahezu in den sehr anschmiegsamen Fassungen.
Dies ist bereits das fünfte Album mit ungewöhnlichen Paarungen (es gab schon Philip Glass vs. Tarquinio Merula, Biber vs. Piazzolla, Dufay vs. Minimal Music etc.). Erneut höchst aufschlussreich. Man weiß nicht so ganz genau, was man nun neu gelernt hat? Und fühlt sich doch bereichert. Genau darin dürfte man den beiden Komponisten ein hohes Lob gespendet haben. Der Lautten Compagney auch. Chapeau!

Robert Fraunholzer, 12.12.2020



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