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Gustav Mahler

Das Lied von der Erde (arr. Reinbert de Leeuw)

Lucile Richardot, Yves Saelens, Het Collectief, Reinbert de Leeuw

Alpha/Note 1 ALP633
(61 Min., 1/2020)

Sein Leben war die Moderne in all ihren Spielformen und Stilen – angefangen vom Postminimalismus eines John Adams über die ultraverschmitzten Doppelbödigkeiten eines Mauricio Kagel bis hin zu klangraumsprengenden Visionen Stockhausens und dem Schönberg-Lehrer Zemlinsky. Wenn es eine niederländische Instanz für diese Musik gab, dann war es der Dirigent und Pianist Reinbert de Leeuw. Anfang des Jahres, am 14. Februar, verstarb er im Alter von 81 Jahren. Nur wenige Wochen zuvor war er aber noch einmal im Aufnahmestudio, um mit dem belgischen Ensemble Het Collectief sowie der Mezzosopranistin Lucile Richardot und dem Tenor Yves Saelens quasi seinen diskografischen Schwanengesang einzuspielen – mit Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ in der Fassung für 15-köpfiges Kammerensemble. Mit dieser Version schlug de Leeuw somit ein letztes Mal den Bogen weit zurück, zum Beginn des 20. Jahrhunderts, als in Wien Arnold Schönberg und seine Getreuen die Musik auf neue Gleise setzten.
Für seine besetzungstechnische Konzentration der Riesenpartitur von Mahlers „Lied von der Erde“ hat sich de Leeuw möglicherweise auch an Schönbergs ebenfalls für 15 Instrumente komponierte 1. Kammersinfonie erinnert. Ganz sicher war ihm aber jenes unvollendet gebliebene Arrangement dieses Werks Vorbild, das Schönberg für die Konzerte seines Wiener „Vereins für musikalische Privataufführungen" geplant hatte. Für Streichquartett, solistisch besetzte Bläser, Harfe, Harmonium und Celesta hat de Leeuw Mahlers „Lied“ eingerichtet und damit ein Klangfarben- und Stimmungspanorama geschaffen, das ganz den Geist der damaligen Epoche atmet. Zerbrechlich karg und grell überbeleuchtet, sentimental duftend und zwischendurch beschwingt von burleskem Charme kommt so diese Neo-Fin-de-Siècle-Version daher. Und de Leeuws Einspielung fesselt und fasziniert den Hörer nicht nur dank des hochkonzentrierten und zugleich elanvollen Spiels der Instrumentalisten. Die magisch leuchtende und fließende Mezzostimme von Lucile Richardot sowie die auch raumfüllende Durchschlagskraft und Sanftheit des Tenors Yves Saelens runden da eine Gesamtleistung ab, die so nur unter der Leitung Reinbert de Leeuws möglich werden konnte.

Guido Fischer, 26.12.2020



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