Unermüdlich schreitet der Ungar György Vashegyi bei Glossa mit dem akustischen Aufpolieren vorwiegend französischer Barockperlen voran – und macht so Magyar plötzlich zu einem Hot Spot der Alte-Musik-Pflege à la français. Jetzt ist er bei Joseph Bodin de Boismortiers Ballet „Les Voyages de l’Amour“ von 1736 fündig geworden. In vier Akten und einem Prolog meint Ballett hier freilich nur, dass ein wenig mehr getanzt wird, es gibt auch viele Gesangseinlagen. Divertissementhaft tändelt die Handlung dahin, spielt einmal mehr das Land als heilsame Alternative zur sündigen Stadt und zum eitlen Hof tugendhaft aus. Selbst die personifizierte Liebe darf es nicht promisk treiben. Die katholische Neuordnung Frankreichs feiert also auch bei diesen amourösen Opernreisen leisen Triumph. Zauberisch wie verschwenderisch sind sie instrumentiert. Höhepunkt ist eine von gleich drei Flöten umspielte Schlafszene im vierten Akt. Und höchst abwechslungsreich sind die Tänze gestaltet. Da gibt es Menuet, Rondeau, Tambourin, Prélude, Passacaille, Ritornelle, Caprice, Marche, Contredanse und Sarabande. Der Purcell Choir und das Orfeo Orchestra unter der beschwingten wie genauen Leitung von György Vashegyi lassen diese farbenreiche Partitur in vielerlei Schattierungen funkeln. Man hat sogar gleich beide Versionen des zweiten Aktes aufgenommen. Der Rameau-Zeitgenosse Boismortier komponierte hier vornehmlich für drei Sopranistinnen, zum Teil in Männerrollen – in Frankreich seltenes Crossdressing als anregende Travestie. Chantal Santon Jerffery (L’Amour), Katherine Watson (Zéphire) und Judith van Wanroij (Daphné) singen mit dem charaktervollen Essigtropfen gallischer Stimmen.

Matthias Siehler, 09.01.2021



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