Er ist ja der Ehemann von Joan! So wurde oft ein Dirigent abgehandelt, der eine der kuriosesten Karrieren gemacht hat. Längst kann ihm das egal sein. Richard Bonynge ist am 29. September 90 Jahre alt geworden. Nun veröffentlicht die Decca eine Box mit 45 CDs, die einem Teil seines Œuvres gewidmet sind: dem Ballett. Ja, Bonynge, geboren am 29. September 1930 in Sydney, ist vor allem aufgrund seiner Frau berühmt geworden. Joan Sutherland (1926–2010) war eine der bedeutendsten Koloratursopranistinnen. Als Korrepetitor lernte er sie kennen. Gemeinsam gingen sie nach London. Er war es, der unbekanntes Repertoire für sie auswählte und vor allem – sie dirigierte, weltweit und auch in sehr vielen Aufnahmen für ihr Exklusivlabel Decca. Nicht nur um den Gatten ihres Sopranschatzes bei Laune zu halten, auch weil man wohl den Repertoirewert der von dieser Trüffelnase erschnüffelten Titel erkannte, ließ man Bonynge jede Menge Ballettmusiken einspielen. Auch dafür hat er Quellenstudium betrieben, selbst in Klassikern vergessene Teile restituiert, Originalorchestrierungen aufgespürt. So entstanden duftig zarte, beschwingt temperamentvolle Aufnahmen nicht nur der berühmten Ballette, sondern auch von als zweitklassig Angesehenem, trotzdem historisch Wichtigem und enorm professionell Komponiertem: „Sylvia“ und „La Source“ von Leo Delibes, „La Bayadère“ von Ludwig Minkus, „Le Corsaire“ und „Le diable á quatre“ von Adolphe Adam, Aubers „Maro Sparda“, Burgmüllers „La Péri“, „Die Zauberflöte“ von Riccardo Drigo, Messagers „Le deux Pigeons“, Offenbachs „Le Papillon“, „Aschenbrödel“ von Johann Strauss, Massenets posthum destillierte „Manon“, Respighis Rossini-Kompilation „La boutique fantasque“, Opernballette, Pas de Deux und Einzelnummern sonder Zahl. Mit dieser Box kann man sich tutto completto daran delektieren.

Matthias Siehler, 16.01.2021



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