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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Eternal Fiction

Mario Romʼs Interzone

Traumton – Indigo/375 Media 05202442
(56 Min., k. A.)

Seit zehn Jahren existiert das Trio Interzone um den österreichischen Trompeter Mario Rom. Nun verabschiedet es sich – und zwar aus der Wirklichkeit. Hatten die ersten drei Alben des Dreierbundes in ihren Titeln noch die Suche nach der Wahrheit und den Grenzen des Erlaubten eingeschrieben, lässt die Jubiläumseinspielung nun lauter Fiktionen vor dem geistigen Auge des Hörers entstehen.
So verwandeln sich Rom, Bassist Lukas Kranzelbinder und Drummer Herbert Pirkner, die auch das Grundgerüst des gefeierten Septetts Shake Stew bilden, gleich im Auftakt „Are We Real?“ in kampfesmüde Cowboys, die lässig, aber auch etwas o-beinig in den Sonnenuntergang ziehen.
Während Bandleader Rom mit seinen exotischen Linien im an Miles Davisʼ „Nardis“ gemahnenden Titeltrack „Eternal Fiction“ die Grenze Richtung Mexiko überschritten zu haben scheint, tauchen die drei Haudegen im Stück „You'll Find Me No More“ unversehens als fernöstliche Mönche auf, die sich ihren jeweils eigenen Versenkungsübungen verschrieben haben: Schlagzeuger Pirkner ist damit beschäftigt, verschieden große Gegenstände auf seinem Set hin- und herzuschieben, Bassist Kranzelbinder sinnt über die Bedeutung dieses einen Tones nach, den er ostinat immer wieder ansteuert, Trompeter Rom schließlich hütet mit gepressten flötenartigen Tönen eine Schafherde.
Die Nummern sind freilich auch oft voller Witz und Slapstick – so etwa die krummtaktige Bluesrock-Persiflage „Matala“, die Freudsche Bebop-Fehlleistung „No Measure Of Health“ mit ihren virtuosen Verhaspeleien oder das selbstironisch swingende „Here's To Another Decade“, das man sich auch gut als Begleitmusik für einen Comicfilm vorstellen könnte.
Doch Rom und die Seinen können auch ganz anders, wie das ausgesprochen berührende „Chant For The Voiceless“ zeigt: Wie eine zu Tode erschöpfte Gruppe Geflüchteter schleppt sich das Trio dahin, während das Horn in vielen Facetten klagt – zerbrechlich, wimmernd, kurz vorm Verstummen.
Als „einfach nicht von dieser Welt“ wurde hier schon mal das Trompetenspiel des Österreichers anlässlich des Shake-Stew-Albums „Gris Gris“ beschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Josef Engels, 23.01.2021



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