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N° 1265
06. - 12.08.2022

nächste Aktualisierung
am 13.08.2022



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Franz Schubert, Carl Friedrich Zelter u. a.

„Nachthimmel“ (Lieder)

Franz Vitzthum, Katharina Olivia Brand

Christophorus/Note 1 CHR 77452
(72 Min., 6/2020)

Eine gut geführte Countertenor-Stimme hat durch ihre einzigartigen Qualitäten besonders in puncto Geschmeidigkeit, Obertonreichtum und schlackenfreie Reinheit des Klangs einen unwiderstehlichen Reiz. Für die Gattung Liedgesang, besonders im Zusammenspiel mit der gesteigerten Intimität, die die Verwendung eines historischen Klavierinstruments mit sich bringt, sind die genannten Qualitäten hervorragend geeignet, und Franz Vitzthum verfügt über ein großartiges Spektrum entsprechender Möglichkeiten. Ideale Voraussetzungen also für das wahrhaft eindrucksvolle Lied-Erlebnis, das diese CD bietet. Vitzthum beginnt sein Rezital mit Franz Schuberts „An den Mond in einer Herbstnacht“, ein nicht allzu bekanntes, aber sehr reizvolles Lied: Schubert zeigt hier sein beglückendes Können auf dem Gebiet der großen, vielgliedrigen Liedkompositionen mit ganz unterschiedlichen Stimmungen, Farben und Tonalitäten im Wechsel zwischen lyrisch-ariosen und tendenziell fast rezitativischen Abschnitten – ein Traum von der ersten bis zur letzten Sekunde. Das bekanntere Gegenstück ist, später im Programm, das „Nachtstück“ nach einem Text von Johann Mayrhofer, welches hochexpressiv den romantischen Topos des alten Einsiedlers im Wald bedient, voll im Einklang mit der ihn schließlich in sich aufnehmenden Natur – man schaue sich dazu die Bilder des Schubert-Freundes Moritz von Schwindt in der Münchner Schack-Galerie an! Vitzthums großartig zusammengestelltes Programm beschränkt sich aber nicht allein auf mehr oder weniger bekannten Schubert, sondern bezieht auch Komponistinnen und Komponisten des Umfelds und der nachfolgenden Generationen ein: Der unterschätze Vesque von Püttlingen, der vielgeschmähte Carl Friedrich Zelter, die kaum bekannte Charlotte Bender und manche andere werden hier jeweils von ihrer besten Seite präsentiert. Und ein roter Faden durchzieht außerdem das Programm: Schuberts „Variationen über ein Thema von Anselm Hüttenbrenner“ (D 576) erklingen portionsweise zwischen den Liedern. Sie geben der Pianistin Katharina Olivia Brand, die ansonsten hervorragend begleitet, dankbare Gelegenheit zur solistischen Profilierung. Von vorn bis hinten gut durchdacht, dann brillant umgesetzt: Wie könnte eine CD noch besser gelingen?

Michael Wersin, 30.01.2021



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