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Anton Reicha

„LʼArt de varier ou 57 variations pour le piano“ op. 57 (Reicha Rediscovered Vol. 3)

Ivan Ilić

Chandos/Note 1 CHAN20194
(87 Min., 2/2020)

Gerade mal 15 Jahre alt war der Böhme Anton Reicha bzw. Antonín Rejcha, als er seine erste Festanstellung antrat. Das war in Bonn bei der kurköllnischen Kapelle, wo er als Flötist in Hörweite zu dem damals die Bratsche schrubbenden Beethoven saß. Fortan hielten beide engen Kontakt, vor allem in den Wiener Jahren von Reicha und Beethoven. 1808 trennten sich ihre Wege. Reicha ging nach Paris und machte dort Karriere als Komponist sowie ab 1818 als Professor am Conservatoire. Und seine Schüler lesen sich wie ein Whoʼs who der französischen Musikgeschichte. So unterrichtete er neben Franz Liszt auch Hector Berlioz, Charles Gounod und César Franck. In die Musikgeschichte ist Reicha zwar vor allem mit seinen Bläserquintetten eingegangen. Dass er aber auch pianistisch den Geschmack jener Zeit traf und diesen bisweilen mächtig verblüffte, spiegelt eine Komposition wider, die den Titel Opus magnum nun wirklich verdient.
Noch in seinen Wiener Jahren 1803/04 schrieb Reicha nämlich „LʼArt de varier ou 57 variations pour le piano“ op. 57 und damit ein Riesenbündel an Variationen, das rückblickend von Umfang und Spieldauer her gar Beethovens „Diabelli-Variationen“ in den Schatten stellt. Einerseits wäre es unfair, Reichas Fleißarbeit an Beethovens Geniestreich zu messen. Dennoch ist man schon erstaunt, wie hier ein gleichermaßen wenig spektakuläres, anmutig ins Ohr gehendes Thema nach allen Regeln auch der Kontrapunktik und der Salon-Virtuosität verändert wird, ohne dass man gedanklich zwischendurch abschaltet. Zumal Reicha eben auch ein Meister der stilistischen Kombinatorik gewesen ist, der es schaffte, Haydns Geist mit etwa dem des (ungeborenen!) Chopin zu verzahnen. Natürlich bleibt im Laufe des abwechslungsreichen Reigens auch Meister Beethoven nicht unerwähnt. Diese fast 90 Minuten Spielzeit vergehen prompt wie im Flug. Nicht zuletzt dank des in allen Belangen extrem souveränen und facettenreichen Spiels von Ivan Ilić, der mit dieser Folge das bisherige Highlight seiner Reihe „Reicha Rediscovered“ vorlegt.

Guido Fischer, 06.02.2021



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