Über dreißig Opern-Komponisten hat die Magierin Armida in ihren Bann gezogen. Und das in 250 Jahren Musikgeschichte. Angefangen von der 1639 in Venedig uraufgeführten Oper von Benedetto Ferrari, dessen Partitur verloren gegangen ist, über Tommaso Traetta und Gioachino Rossini bis zur (vorerst) letzten Vertonung des Stoffes von Antonín Dvořák 1904. Und wie es der Zufall wollte, entstanden in den 1770er-Jahren gleich zwei Versionen von Komponisten, die damit ihre Abkehr von der aus der Mode gekommenen Opera seria vorantrieben. In Paris gab es Christoph Willibald Glucks „Armide“. Zuvor hatte in Wien Antonio Salieri das Libretto von Marco Coltellini vertont. Auch wenn Glucks Fassung nun auch nicht gerade zum Repertoirehit geworden ist, so hat sie doch im Vergleich zu Salieris völlig ignorierter „Armida“ schon fast den Status eines Ohrwurms inne. Dabei entpuppt sich die zweistündige Oper Salieris in der vorliegenden Weltersteinspielung (!) als Wundertüte voller herrlichster Chöre und Arien.
Entdeckt und ausgepackt hat sie der französische Dirigent Christophe Rousset, der sich schon seit vielen Jahren mit seinem Originalklang-Team Les Talens Lyriques für den Opernkomponisten Salieri ins Zeug legt. Und nach den Einspielungen von „Les Horaces” sowie „Les Danaïdes“ ist ihm erneut ein weiterer Aufnahme-Coup geglückt. Zumal neben dem gewohnt edel aufspielenden Ensemble sowie den kostbaren Stimmen des Chœur de chambre de Namur einmal mehr das Solistenensemble herrlich handverlesen daherkommt. In der Titelrolle glänzt Lenneke Ruiten mit ihrer wohlausbalancierten, hell leuchtenden und dann wieder nuancenreich lyrischen Sopranstimme. Und Ashley Riches ist als Ritter Ubaldo ein kultiviert auftrumpfender Bariton von einem Kerl. Bessere Fürsprecher für die Opernmusik Salieris kann man sich aktuell nicht vorstellen.

Guido Fischer, 13.02.2021



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