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Helena Munktell

Violinsonate, Dix Mélodies, Klaviertrio

Tobias Ringsborg, Sofie Asplund, Kristina Winiarski, Peter Friis Johansson

BIS/Klassik Center Kassel BISSACD2204
(73 Min., 9 & 11/2019) SACD

Romantik und kein Ende: Da mag man diese Epoche so oft auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts beschränken, wie man will, es ist dennoch nicht zu leugnen, dass die Tonsprache der Romantik noch viele Jahrzehnte intensiv weitergelebt hat. Auch das Entstehen der „Nationalen Schulen“, also der vom jeweils eigenen kulturellen Erbe beeinflussten national geprägten Tonsprachen, wurde noch lange vom romantischen Idiom mitgeprägt. Die schwedische Komponistin Helena Munktell (1852–1919) ist in dieser Gemengelage ein interessanter „Fall“: In ihrer Heimat fand sie als Komponistin aus sexistischen Gründen wenig Anerkennung. In Paris dagegen gelang es ihr, freundlich in die illustren Kreise des „Société Nationale de Musique“ aufgenommen zu werden. Diese Vereinigung war ja 1871 von renommierten französischen Komponisten gegründet worden, um einem französischen Nationalstil gegenüber dem übermächtigen deutschen Idiom Gehör zu verschaffen. Aber offensichtlich war man dort aufgeschlossen genug, um auch einer schwedischen Komponistin ein Podium zu bieten. Und weil sich Helena Munktell entsprechend gern in Paris aufhielt, verwundert es nicht, dass etwa ihre große, halbstündige Violinsonate hinsichtlich der Anlage durchaus von derjenigen von César Franck (einem der Gründer der SNM) beeinflusst ist. Ihre zehn Klavierlieder dagegen – hier hervorragend dargeboten von Sofie Asplund (Sopran) – lassen ein wenig den Einfluss von Gabriel Fauré durchblicken, sind in Harmonik und Melodiebildung aber gleichzeitig auch „skandinavisch“ geprägt. Ein recht originelles Stück ist das hübsche Klaviertrio, dessen tastend sich entwickelnde Melodik den zauberischen Geist unbeschwerter Experimentierfreudigkeit atmet. Peter Friis Johansson macht als Pianist in all diesen Werken eine ausnehmend gute Figur. Kristina Winiarski (Violoncello) und Tobias Ringsborg (Violine) harmonieren perfekt im Trio. Letzterer verhilft auch der Violinsonate mit wundervoll blühendem Ton und bestechender Fingerfertigkeit überzeugend zur Geltung. Eine schöne CD, hinsichtlich des Repertoires eine Entdeckung.

Michael Wersin, 27.02.2021



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