Doch, ein paar offene Punkte in der sich dankenswerterweise in den letzten Jahren glanzvoll vervollständigenden Rossini-Diskographie gab und gibt es noch. Immerhin einer konnte jüngst befriedigend abgehakt werden. Um so schöner zudem, weil es eine reizvolle Rarität betrifft: die semikomische „Matilde di Shabran“, 1821 für Rom komponiert, im gleichen Jahr noch für Neapel teilweise überarbeitet; aber eben nicht nur die Klamaukstellen des ewig lamentierenden Dichters Isidoro im lokalen Dialekt betreffend. Die im Untertitel „Schönheit und Herz aus Eisen“ schon treffend angesprochene Geschichte vom doofen Frauenverachter Corradino, dessen rostiges Herz von der so lieblichen wie raffinieren Matilde zum Schmelzen gebracht wird, es wurde als eine Art Signaturstück schon dreimal in Pesaro gezeigt. Und zwar immer mit dem dort entdeckten Juan Diego Flórez in der höchst anspruchsvollen Hauptrolle; was ebenfalls dreimal medial dokumentiert wurde. Solche Vokalmaßstäbe kann man bei der deutlich kleineren, aber freundlichen Festspielkonkurrenz im Schwarzwälder Bad Wildbad nicht anlegen, aber man macht solches durch Stimmenentdeckerfreude und Originalität wett. Und hat, in bewährter Zusammenarbeit mit dem mitschneidenden SWR, endlich einmal das römische Original legal tonkonserviert. Inklusive der aufgrund – wieder einmal – Kürze der Kompositionszeit von Rossini selbst geborgten Anleihen plus sechs ebenfalls übernommener Nummern von Giovanni Pacini. Die bringen nicht nur das Krakauer Passionart Orchestra und der Górecki Kammerchor unter der sprühenden Leitung von José Miguel Pérez-Sierra zum Leben. Ebenso das wunderbar aufgelegte Ensemble mit Michele Angelini (Corradino) und Sara Blanch (Matilde) sowie dem Bass Shi Zong als Raimondo und Victoria Yarovaya in der Hosenrolle des Edoardo.

Matthias Siehler, 27.02.2021



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