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Alfred Schnittke

Werke für Violine und Klavier (Suite im alten Stil, 1. Violinsonate, Polka u. a.)

Daniel Hope, Alexey Botvinov

DG/Universal 483 9234
(59 Min., 10 & 11/2019)

Alfred Schnittke war bekanntlich nie ein Freund musikalischer Reinheitsgesetze. Was auch die musikideologischen Betonköpfe in der ehemaligen Sowjetunion immer wieder monierten. Zu den rückblickend sicherlich provokantesten Werken des Russen gehörte daher seine 1963 geschriebene 1. Violinsonate, in der er nicht nur seinen bewunderten Kollegen Dmitri Schostakowitsch zitierte und sogar mit der verteufelten Neue-Musik-Strömung namens Serialismus flirtete. Im Finalsatz wird gar der Ohrwurm „La Cucaracha“ auf eine Art Boogie-Woogie-Piste geschickt. Während Genosse Chruschtschow angesichts solcher grellen Ingredienzien rot angelaufen sein dürfte, sollte diese Sonate viel später das überhaupt erste Werk sein, das Daniel Hope von Schnittke spielte. Nun hat er dieses viersätzige Stück in den Mittelpunkt seiner diskografischen Hommage an den 1998 verstorbenen Komponisten gestellt. Und hier bereits findet Hope im perfekten Einklang mit Pianist Alexey Botvinov den ausdrucksintensiv richtigen Ton – von beklemmend-verstörend bis bissig und schmissig. Von der Violinsonate als ältestem Beispiel für Schnittkes Polystilistik bis zu dem ausgedörrt bitteren Solo-„Madrigal“, das 1990 anlässlich des Todes des Geigers Oleg Kagan entstanden war, reicht das Programm. Wobei der stilistische Bogen über Arrangements einer „Polka“ und eines „Tangos“ hin zu einem „Gratulationsrondo“ des Mozart-Fans Schnittke und einer neoklassizistischen „Suite im alten Stil“ geschlagen wird. Aber auch das Finale ist einem wohlbekannt. Es ist „Stille Nacht“ – die bei Schnittkes etwas anderer Traditionspflege jedoch so gar nicht heimelig daherkommt.

Guido Fischer, 27.02.2021



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