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Ludomir Różycki, Pjotr Tschaikowski

„Phoenix“ (Violinkonzerte)

Janusz Wawrowski, Royal Philharmonic Orchestra, Grzegorz Nowak

PLG/Warner 9029519170
(60 Min., 11/2019)

Es klingt ein bisschen nach Erich Wolfgang Korngold, Sergei Rachmaninow oder George Gershwin. Dieses Konzert könnte man sich gut im Kino vorstellen. Dann wieder blitzt rhythmisch akzentuierte Ballettmusik im Stile Pjotr Tschaikowskis hervor. Auch bei der Führung der Solo-Geigenstimme scheint der große Romantiker Pate gestanden zu haben. Das lange Zeit verschollene Violinkonzert von Ludomir Różycki ist eine faszinierende Trouvaille aus einer düsteren Zeit. Während des Warschauer Aufstands im Sommer 1944 begann der polnische Komponist, daran zu arbeiten. Zu der erhofften Uraufführung während eines geheimen Musikabends sollte es nicht kommen. Różycki musste fliehen und vergrub das unvollendete Manuskript in seinem Garten. In der vom Krieg zerstörten Stadt fand er die Stelle später nicht wieder. Erst nach seinem Tod 1953 stießen Bauarbeiter zufällig auf den verschollenen Koffer, die Noten gelangten in die Warschauer Nationalbibliothek. Der Geiger Janusz Wawrowski nahm sich vor einigen Jahren nicht nur Różyckis handgeschriebenen Klavierauszug vor, der bereits als Vorlage für frühere Rekonstruktionsversuche gedient hatte. Bei seinen Recherchen hatte er außerdem ein Partiturfragment mit den ersten 87 Takten der Orchestrierung entdeckt. Gemeinsam mit dem Komponisten Ryszard Bryła machte er sich daran, das Werk neu zu rekonstruieren. Den technisch diffizilen Violinpart, der teils unspielbar war, hat Wawrowski selbst überarbeitet. Wenige Monate vor Ausbruch der Corona-Pandemie nahm er das Konzert mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter Leitung von Grzegorz Nowak auf CD auf. Interessant ist hier auch die Gegenüberstellung mit dem weltbekannten Violinkonzert von Tschaikowski – zwei Werke aus unterschiedlichen Epochen, die sich gut ergänzen.

Corina Kolbe, 13.03.2021



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