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Josquin Desprez

Motets & Mass Movements

The Brabant Ensemble, Stephen Rice

Hyperion/Note 1 CDA68321
(78 Min., 1/2020)

Eine hinsichtlich der stimmlichen Fähigkeiten großartige Gruppe hat Stephen Rice hier beisammen: Sehr intonationsrein agieren die Damen und Herren des Brabant Ensemble, sehr homogen im Klang allzumal. Indes stellt sich nach zehn, fünfzehn Minuten Musik die Frage, was hier genau im Rahmen dieser optimalen Voraussetzungen zelebriert wird: Geistliche Vokalmusik der Renaissance besteht strukturell aus Melodielinien, die sich zu Dreiklängen zusammenfügen. Spannungssteigernd und -entladend wirken einerseits Vorhalte, andererseits Durchgangsbewegungen. Soweit die satztechnisch zumeist makellose Substanz, mit der die Musik grundsätzlich auf ein Göttliches Bezug nimmt. Individualisiert werden solche Strukturen dann durch den jeweils vertonten Text, und auch im Fall von Musik, die um 1500 entstanden ist, darf man schon davon ausgehen, dass die Worte im Kompositionsprozess genuin eine Rolle gespielt haben. Eine Interpretation solcher Musik sollte diesem Umstand gerecht werden. Das ist beim Brabant Ensemble leider kaum der Fall: Hört man etwa das wundervolle sechsstimmige „Stabat Mater“, so hat man schon am Beginn kaum eine Chance, den Text auch nur zu verstehen. Man muss die Worte schon auswendig wissen, um sich immer wieder einmal zu orientieren, wovon eigentlich gerade die Rede ist. Das kann nicht im Sinne der Sache sein: Josquin arbeitet schon mit Soggetti als elementaren Bausteinen der Musik, und die sind eine musikalisch-textliche Einheit. Davon hören wir leider wenig in diesem Programm.

Michael Wersin, 20.03.2021



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