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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Bloodline

Robert Keßler Trio

GLM/Edel 1015902GLY
(42 Min., 3/2019)

13 Jahre ist es her, dass Robert Keßler sein erstes und bisher einziges Album unter eigenem Namen veröffentlichte. In der Zwischenzeit gründete der Berliner Gitarrist eine Familie, verdingte sich als Sideman in den unterschiedlichen Kontexten von Klezmer bis Grönemeyer und arbeitete als Dozent an verschiedenen Hochschulen.
Alle diese Erfahrungen hört man nun auch auf dem Album „Bloodline“, das der 36-Jährige mit dem Kontrabassisten Andreas Henze und Schlagzeuger Tobias Backhaus, Freund seit Studienzeiten, aufnahm. Wenn Keßler seine Archtop-Gitarre spielt, merkt man, dass da jemand ist, der sehr gut zuhören kann, sich zurückzunehmen weiß und jeden Ton neugierig betrachtet wie ein aufmerksamer Mentor.
Das Thema der Verwandtschaft, das im Albumtitel „Bloodline“ anklingt, äußert sich auf verschiedenen Ebenen. Einmal in dem Umstand, dass die Kompositionen Keßlers oftmals auf sein Familienleben anspielen – so sind die Stücktitel von seinen Kindern oder seinem Wohnviertel Weißensee inspiriert (das passend zum impressionistisch elegant dahinfließenden Stück zum „White Lake“ verklärt wird).
Deutlich ist aber auch die seelische Blutsverwandtschaft mit großen Gitarristen. Oftmals erinnert Keßlers gewissermaßen mit einer Karamellschicht überzogener Ton an Pat Metheny, von dessen melodischer Hörerzugewandtheit auch viel in den Adern des Berliners pulst – etwa in der Eröffnung „Jesaja 41,10“, in der Keßler ähnlich wie der amerikanische Kollege dezenten Gebrauch eines synthesizerartigen Effekts in seinem Solo macht. „Mann Mann“ wiederum lässt an John Scofields Zusammenarbeit mit Medeski, Martin & Wood denken, die sich nicht nur durch souljazzige Grooves, sondern auch durch eine gewisse Scherzhaftigkeit auszeichnet (worauf Keßler mit einem „Flintstones“-Zitat in seiner Improvisation erinnert).
Benny Golsons „Along Came Betty“, die einzige Fremdkomposition auf dem Album, verweist schließlich auf stille Swing-Magier wie Jim Hall. All diesen Vorbildern macht Keßler das schönste Kompliment – indem er sie nicht kopiert, sondern auf ganz persönliche Art weiterdenkt für sich und sein im Gleichtakt atmendes Trio. Ein Vollblut-Jazzgitarrist eben.

Josef Engels, 20.03.2021



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