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Georg Friedrich Händel

Theodora

Sophie Daneman, Daniel Taylor, Nathan Berg u.a., Les Arts Florissants, William Christie

Erato/Warner 0927 43181-2
(178 Min., 5/2000) 3 CDs

Sie wurden in England durchaus als Dreamteam gefeiert: Georg Friedrich Händel und Thomas Morell, der zu den erfolgreichsten Oratorien Händels die Textbücher lieferte. "Judas Maccabäus", "Jephta" und "Theodora" gehören zu den glanzvollen Kooperartionen, wobei "Theodora" immer etwas stiefmütterlich behandelt wurde. Was erstaunt, wenn man jetzt die Gesamteinspielung von William Christie hört, der sich einmal mehr als der vielleicht "erzählerischste" Dirigent unter den Originalklang-Experten präsentiert. Besaß schon sein "Messias" eine von vom französischen Air de cour geprägten Kantabilität, unterlässt Christie auch jetzt jede Virtuosität als Selbstzweck. Von modischer Konturenschärfe oder Rhythmen, die wie Salven abgefeuert werden, war Christie noch nie ein großer Freund - weshalb er besonders erholsame Kontraste gegenüber dem Händel-Kollegen Marc Minkowski setzt, der aus seiner schnittigen Historizität mittlerweile ein Dogma gemacht hat.
Bei Christie hingegen sind die Musiker von "Les Arts Florissants" präzise, deutlich in den polyphonen Strukturen und von einer durchaus "authentischen" Vitalität. Und zudem besitzt man Klangfülle und Expressivität, die Händels musikalische Ideen in seinem vorletzten Oratorium hochkarätig transportieren können. Dass Händel sich hier erst- und letztmalig den Stoff nicht aus der Bibel zusammenstellen ließ, kann der Binnendramatik, den wundersam in die Seelentiefen gehenden Arien nichts anhaben. Besonders, wenn man mit Sophia Danemann einen Sopran für die Titelrolle gefunden hat, der im Tonfall sowie in Ausdrucksintensität und -leichtigkeit eine erstaunliche Nähe zu Dawn Upshaw besitzt.

Guido Fischer, 15.11.2003



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