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Uma Elmo

Jakob Bro, Arve Henriksen, Jorge Rossy

ECM/Universal 3528227
(61 Min., 8/2020)

Der Gitarrist Jakob Bro hat ein Faible für Dreierkonstellationen: Vier seiner fünf Aufnahmen für das Münchner ECM-Label als Leader wurden im Trio aufgenommen. Das dürfte auch viel mit der extrem konzentrierten und minimalistischen Spielhaltung des Dänen zu tun haben, die nach einem perfekt austarierten Mischungsverhältnis zwischen Raum und pointierter Abwechslung verlangt.
Das ist exakt die Mixtur, die der Trompeter Arve Henriksen und der Drummer Jorge Rossy, Bros brandneue Anspielpartner, mit traumwandlerischer Sicherheit zu liefern vermögen. Ersteren kennt man als einen der eigenständigsten Weiterentwickler der Trompeten-Ideen eines Jon Hassell, Letzterer hielt jahrelang Brad Mehldau in dessen Trio den Rücken frei.
Vielleicht liegt es an dieser speziellen Persönlichkeitskonstellation, vielleicht auch daran, dass sich die drei Musiker zum allerersten Mal bei den Aufnahmesessions in Lugano trafen: „Uma Elmo“ ist von einer derartigen Vorsicht und Behutsamkeit geprägt, dass es fast zu einem Nervenkitzel wird. Vor allem Rossy scheint sich kaum zu trauen, seine Felle und Becken anzurühren. Wie jemand, der ein Kartenhaus baut, das jeden Moment in sich zusammenfallen kann, agiert der Spanier etwa im Intro zu „Music for Black Pigeons“. Und auch sonst tippt er seine Toms so zart und bedächtig an, als wären sie hauchdünne Eierschalen.
Das Material, das Bro seinen Mitstreitern vorgelegt hat, ist durchzogen von Erinnerungen an die drei großen Mentoren des Gitarristen: an den 2020 verstorbenen Altsaxofonisten Lee Konitz, dem Мusic for Black Pigeons gewidmet ist, den Trompeter Tomasz Stanko sowie den Schlagzeuger Paul Motian, mit dem Bro die Kompositionen „Reconstructing a Dream“ und „Slaraffenland“ einst auch gemeinsam spielte.
Und ja: Henriksen gemahnt mit seinem erzählerischen Ton oftmals an Stanko, wie auch Rossy Motians Sinn für Aussparungen und Texturen aufgreift. Jedoch haben beide, ganz besonders Henriksen, einen viel zu starken Personalstil, als dass sie sich mit reiner Nachempfindung begnügen würden: Die Trompete des Norwegers ist ein Wunderhorn, das mal wie eine japanische Bambusflöte, mal wie ein archaisches Krummhorn – etwa im mittelalterlich anmutenden Anfang von „Housework“ – anmutet.
Dass der Bandleader im Vergleich eher unauffällig wirkt, ist Zeichen seiner Stärke. Bro setzt seine Gitarre gewissermaßen als elektrischen Humus ein, aus dem es zuweilen fauchend grollt wie bei Neil Young oder naturhaft brodelt und plätschert wie aus einem Gebirgsbach. Aus dieser reichhaltigen Erde kann vorsichtig und zart sprießen, was Meister wie Konitz, Stanko oder Motian an musikalischen Samen hinterlassen haben. Jakob Bro macht, dass man das Gras wachsen hören kann.

Josef Engels, 03.04.2021



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