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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Reynaldo Hahn, Robert Schumann, Gabriel Fauré, Richard Wagner u. a.

„Proust, Le Concert retrouvé“ (Werke für Violine und Klavier)

Théotime Langlois de Swarte, Tanguy de Williencourt

harmonia mundi HMM 902508
(63 Min., 2021)

Marcel Proust war der festen Überzeugung, dass es nur die Musik schaffe, „in uns jenen geheimnisvollen Grund unserer Seele wachzurufen, […] der da beginnt, wo das Endliche und alle Künste, die das Endliche zum Gegenstand haben, stehen bleiben“. Zwar hat sich der Franzose bekanntermaßen mit „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ in die Literaturgeschichte eingeschrieben. Doch auch dieses Roman-Monument ist durchzogen von Prousts Liebe zur Musik. Da trifft man auf den fiktiven Komponisten Vinteuil. Eine Violinsonate Gabriel Faurés kommt zur Aufführung. Und manche sind der Meinung, dass der Wagner-Fan Proust sich formal an die Leitmotivik des Bayreuther Meisters angelehnt hätte. Fauré und Wagner, aber natürlich auch die Musik des engen Freundes Reynaldo Hahn standen nun bei einem Privatkonzert auf dem Programm, das Proust am 1. Juli 1907 im noblen Pariser Hotel Ritz organisiert hatte. Und wie er zwei Tage später Hahn in einem Brief berichtete, waren Menü und Weinkarte ebenfalls zu aller Zufriedenheit: „Die Sache war herrlich und bestens organisiert.“
Zu den Musikern gehörten damals unter anderem der Geiger Maurice Hayot sowie der Pianist Édouard Risler. Mehr als ein Jahrhundert später haben sich nun der Violinist Théotime Langlois de Swarte und Tanguy de Williencourt an einem Érard-Flügel auf eine Zeitreise in das Fin de Siécle begeben und mit ihren historischen Instrumenten das Flair jenes Konzerts eingefangen. Und gleich beim Eröffnungsstück, bei dem (jetzt für Violine und Klavier arrangierten) Chanson „À Chloris“ von Reynaldo Hahn ist man schlichtweg betört vom Zauber und Charme, mit dem die beiden Musiker in diese Klangwelt eintauchen und sie bis zum Schluss nicht mehr verlassen. Neben Kleinigkeiten wie etwa einem Chopin-Prélude und dem berühmten „Les Barricades mystérieuses“ des Barockmeisters Louis Couperin umschmeicheln aber besonders Faurés Violinsonate op. 13 und Wagners „Isoldens Liebestod“ die nostalgische Sehnsuchtsseele.

Guido Fischer, 10.04.2021



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