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N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



Größer könnte der Kontrast nicht sein: David bemüht sich mit kultivierter, weicher und verzierter Altus-Stimme sowie mit Harfenspiel, König Saul zu besänftigen, doch Saul bleibt mit unbändigen Basskoloraturen untröstlich, dass dem jugendliche Goliath-Bezwinger die ganze Zuneigung des Volkes zuteil wird und sein Sohn Jonathan die Freundestreue über die Vaterliebe stellt. Saul trachtet seinem Nebenbuhler in der Volkesgunst aus Eifersucht noch mehrmals nach dem Leben und geht schließlich selbst daran zugrunde.
Händel ließ sich durch den bewegenden Stoff aus dem Alten Testament zu seinem vierten englischen Oratorien anregen. Es ist farbenfroh instrumentiert mit u. a. Carillons, Orgelkonzert-Sätzen, sonoren solistischen Fagotten; die Stimmung der Hexenszene zu Beginn des 3. Aktes erinnert gar an Webers Wolfschluchtszene; beeindruckend ist auch der bekannte Trauermarsch. Der Chor tritt ausgiebig in Erscheinung mit prächtigen Fugen. Händel gelingt in dem Werk von 1739 besonders gut die Darstellung der seelischen Zerrüttung der Titelpartie auf der einen und dem Gottvertrauen und Edelmut bei David auf der anderen Seite.
McCreesh, für die jeweiligen Partien gut ausgesuchte Solisten und seine Gabrieli Players und Consort musizieren spannend, gestalten dynamisch abwechslungsreich, präzis, und all dies ist aufnahmetechnisch transparent abgebildet. In den zentralen Partien glänzen Andreas Scholl und Neal Davies.
Eine gelungene Fortsetzung des Zyklus der Händel-Oratorien mit McCreesh - das macht neugierig auf die Fortsetzung.

Peter Overbeck, 15.05.2004



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