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Ferenc Snétberger, John Dowland u. a.

„Hallgató“ (Werke für Gitarre und Streichquartett)

Ferenc Snétberger, Gyula Lázár, Keller Quartett

ECM/Universal 3519395
(66 Min., 12/2018)

Johannes Brahms brachte mit seinen „Ungarischen Tänzen“ das Konzertparkett zum Beben. Und während Operettenkönige mit ihren „Zigeunerbaronen“ und „Csárdásfürstinnen“ ausgelassene Ungarn-Partys feierten, schlüpfte Maurice Ravel in die Rolle eines Zigeunerprimas, als er seiner „Tzigane“ extra scharfe Virtuosen-Würze auf die Violinsaiten streute. Seit dem 19. Jahrhundert boomt Ungarn unter Komponisten und Geigern. Die slawische Melancholie und die nostalgischen Melodien im berühmten Zigeuner-Moll, die rhythmische Ausgelassenheit und das mitreißende Temperament – all das fließt durch die Lebensadern der ungarischen Folklore. Dieses Erbe spiegelt sich ebenfalls im Gitarrenklang sowie in den Kompositionen von Ferenc Snétberger wider, der vorrangig im Jazz beheimatet ist. Und mit der Anmerkung „Parlando alla zingara“ („Im Zigeuner-Stil“), die er über eine Gitarrenpassage in der jetzt aufgenommen „Rhapsody Nr. 1“ notiert hat, bekennt er sich noch einmal zu seiner Herkunft, zu seinen Wurzeln. Mit dieser Elegie für Gitarre und Streichquintett beschließt Ferenc Snétberger jetzt sein Album „Hallgató“; es ist der Livemitschnitt eines Konzerts, das er 2018 in Budapest mit dem Keller Quartett gegeben hat. Der Albumtitel „Hallgató“ bezeichnet in der Kultur der Roma einen besonderen Liedtyp. Und die sentimentale, von ihrem Ausdruck her durchaus an Astor Piazzolla angelehnte „Rhapsody“ fügt sich nahtlos in den nachdenklichen Grundton ein, mit dem Snétberger zusammen mit dem Keller Quartett sowie dem Kontrabassisten Gyula Lázár den Roma und Sinti, aber auch allen Opfern von Krieg und Gewalt hier gedenken wollte. Mit „In Memory of My People“ ist Snétbergers Gitarrenkonzert betitelt, das jetzt in der Fassung für Gitarre und Streichquartett erklingt und mit seinen wehmütig-süßen Melodien ein wenig an Ennio Morricone denken lässt. Mit Dmitri Schostakowitschs 8. Streichquartett schlägt das Keller Quartett ultrahochspannungsvoll ein wild rasendes und dann wieder hoffnungslos verkümmerndes Riesenlamento an. Vom englischen Renaissance-Titanen John Dowland folgen dann mit „I saw my lady weep“ und „Flow, my Tears“ zwei seiner berühmtesten Trauergesänge, eingerichtet für Gitarre und Streicher. Und auf Samuel Barbers herzergreifendes Streicherstrom-„Adagio“ lässt Ferenc Snétberger das Solo „Your Smile“ folgen – das als nichts anderes gedacht sein dürfte als eine Liebeserklärung an das Leben.

Guido Fischer, 10.04.2021



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