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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Wait for Me

Snowpoet

Edition Records/Membran EDN1166
(50 Min., k. A.)

Man hört es schon nach wenigen Sekunden, wenn die Frauenstimme virtuos stottert, nach Luft schnappt und sich gewissermaßen selbst verschluckt: Lauren Kinsella, die gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten Chris Hyson 2014 die Band Snowpoet gründete, ist eine Jazzsängerin moderner Prägung. Sie liebt das Spiel mit Artikulation, Atmung und Anarchie, hat sich dafür auch in der zeitgenössischen westlichen Klassik oder der südindischen Gesangstradition umgetan und verfügt über eine geschmeidige Technik.
All das schlummert auf „Wait for Me“ freilich nur im Hintergrund, um nach Belieben aktiviert werden. Denn der Jazz ist nur einer der vielen Inhaltsstoffe auf der vierten Einspielung der Formation, die mit Saxofon und Streicher hier zuweilen auf Septettgröße anwächst. Da gibt es versponnen Dream-Pop genauso wie krummtaktigen Neo-Soul, verbinden sich folkige Elemente mit bedrohlichen Ambient-Klangwolken, stehen feinnervige, textsensible Balladen neben robusten Tanz-Aufforderungen mit pumpender Bassdrum auf die Viertel.
Kinsella sorgt dafür, dass „Wait For Me“ nicht zu einer Ansammlung durchweg interessant produzierter, aber irgendwie auch ein bisschen beliebig zusammengewürfelter Songs wird, sondern zu einem Album.
Gespannt folgt man ihrem Gesang, der eine Beschäftigung mit Björk, Joni Mitchell, Laurie Anderson oder Róisín Murphy erkennen lässt, jedoch stets eigene Wege geht. Die Irin ist mal eine folkpoppige Androide („Facetime“), mal eine verwirrte Yoga-Lehrerin, die zögerlich Kommandos gibt („The Wheel“). Sie hypnotisiert mit loreleyhaftem Gesang („Hereʼs the Thing“) oder erschreckt mit unheilvollem Flüstern („Early Feelings“). Und macht dem Bandnamen alle Ehre, wenn sie mit klarer Stimme die Geschichte eines Japaners vorträgt, der in Tokio auf die Baumblüte wartet: Das ist voller leise rieselnder Poesie.

Josef Engels, 10.04.2021



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