Je mehr die Wiederentdeckung und damit auch die Aufnahmetätigkeit mit und für die lange als ledern, überfrachtet und undramatisch verschriene französische Barockmusik voranschreitet, desto öfter müssen wir feststellen, dass selbst deren Meisterstücke Werke in fortschreitender Veränderung waren. Von den meisten bedeutenden Opern Lullys wie Rameaus sind mehrere Varianten überliefert. Ähnlich wie heute bei amerikanischen Musical-Tryouts, verfestigte sich erst bei den Wiederaufnahmen eine endgültige Werkgestalt. Wir Nachgeborenen können heute entscheiden, welche der diversen Fassungen (oder eine Mischung daraus) wir spannend finden. Und so war auch die Uraufführung von Jean-Philippe Rameaus dritter erhaltener Oper „Dardanus“ 1739 ein ziemlicher Misserfolg. Was weniger an der grandios orchestrierten, abwechslungsreichen Partitur für eine eher dünne antike Liebes- und Intrigengeschichte lag als an den fehlenden instrumentalen Fähigkeiten der Orchestermusiker. 1744 wurde das Werk grundlegend überarbeitet. Raphaël Pichon hat diese Fassung mit späteren Ergänzungen erstmals vor neun Jahren eingespielt, jetzt folgt aber die reine Zweitfassung. Und wieder mal sind der sich regelmäßig Rameau-Meriten verdienende Ungar György Vashegyi mit seinem Orfeo Orchestra samt Purcell Choir am glanzvollen Klangputzwerk. Dazu kommen so kompetente wie charakterstark herausragende Sänger wie Judith van Wanroij (Iphise), Chantal Santon Jeffery (Vénus), der tenorreine Cyrille Dubois (Dardanus), Thomas Dolié (Teucer) und Tassis Christoyannis (Anténor). Hier ist also mal wieder ein absolutistisches Audio-Schwelgen in höfischer Reinkultur möglich.

Matthias Siehler, 24.04.2021



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