Dänemark gilt nicht unbedingt – wie ganz Skandinavien – als Land der Oper. Vor allem das historische Repertoire ist überschaubar. Zwei Werke aber gelten als nationale Opern: Carl Nielsens liebenswürdige, auch ein wenig melancholische Komödie „Maskerade“. Und die düster-tragische, fanfarensatte, chorprächtige Historie „Drot og Marsk“ von Peter Heise, aus dem Jahr 1879. Erzählt wird in „König und Marschall“ ein weit zurückliegendes Ereignis, die ungeklärte Ermordung von König Erik V. (der heldisch geforderte Peter Lodahl) in der Scheune von Finderup im Jahr 1286, an der wohlmöglich der Befehlshaber Stig Andersen (Johan Reuter, ein markanter Stamm in der Basslandschaft) beteiligt war. Opernkönig Erik lässt nichts anbrennen: Erst vergnügt er sich beim Jagen im Wald mit der Köhlertochter Åse (lieblich wie zupackend: Sofie Elkjær Jensen), auf die auch sein Adjutant Rane (schillernder Spielmacher: Gert Henning-Jensen) mehr als nur ein Auge geworfen hat. Dann vergewaltigt er Ingeborg (Sine Bundgaard mit höhensattem Sopran), die Frau von Marschall Andersen, die dieser zu ihrem Schutz bei seinem Souverän unterbrachte. So viel Undank kann nicht ungestraft bleiben! Beim Mitschnitt aus der Oper in Kopenhagen stand der gekonnt disponierende Michael Schønwandt am Pult. Und die nationale Sängerelite bevölkerte die Bühne. Die fünf Hauptpersonen singen dramatisches Parlando, das sich selten zu Monologen verdichtet, höchstens ein Tanzlied und Balladeskes gibt es. Hätte Brahms eine Oper komponiert, so spätromantisch schwer, doch transparent, melancholisch dunkel hätte es klingen können. Mehr dänisches Musikdrama geht nicht!

Matthias Siehler, 01.05.2021



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