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Franҫois Couperin, Michel Richard de Lalande

Leҫons de Ténèbres

Sophie Junker, Florie Valiquette, Orchestre de l’Opéra Royal, Stéphane Fuget

Chateau de Versailles/Note 1 CVS034
(53 Min., 6/2020)

Die drei „Leҫons de Ténèbres“ für einen bzw. zwei Solo-Soprane plus Continuo, die von Franҫois Couperin überliefert sind, werden mit Recht zu den Höhepunkten des barocken monodischen Lamentationen-Repertoires gezählt: Sängerisch eine Herausforderung, weil sie sich über weite Strecken in der Übergangslage bewegen, bieten sie im Rahmen eines äußerlich sehr einfachen Besetzungs-Settings eine Vielzahl von interpretatorischen Möglichkeiten, die vertonten Texte hochexpressiv zur Geltung zu bringen. Bis es dazu kommen kann, müssen einige Rahmenbedingungen optimal justiert sein: Man braucht zwei technisch sehr versierte Sängerinnen, die neben der anspruchsvollen Lage auch die Sprache (französisch auszusprechendes Latein) und die Vielzahl der vorgesehenen Ornamente souverän bewältigen können. Hinzu kommt das Desiderat einer brillanten Continuo-Gruppe, die gestalterisch und – soweit die Akkordinstrumente betroffen sind – insbesondere auch improvisatorisch so nah wie möglich an den höchst aussagekräftigen Texten agiert. All diese Voraussetzungen sind in der vorliegenden Neuaufnahme erfüllt: Sophie Junker und Florie Valiquette sind zwei Sängerinnen, die technisch so souverän agieren, dass sie ein Höchstmaß ihres jeweils persönlichen Ausdrucksvermögens in die Gestaltung von Text und Musik hineinzugeben in der Lage sind. Hört man sie mit ihren durchaus verschiedenen Timbres die erste (Junker) und die zweite (Valiquette) Leҫon zelebrieren, dann wächst stetig die Spannung im Hinblick auf die dritte Leҫon, in der der sie im Duett zu hören sind. Tatsächlich gelingt es beiden schließlich, sich optimal zu einer gemeinsamen rhetorisch-musikalischen Aussage zu vereinen. Unterstützt werden sie allein wie auch im Duett von einer hervorragenden Continuo-Gruppe, zu der außer zwei Violen und der Orgel auch eine Theorbe gehört. Nonverbal bieten die Instrumente nuancierte Unterstützung der Sängerinnen in allen Affektbereichen, besonders bei den zahlreichen dramatischen Ausbrüchen. Somit wird das dramatische Potenzial dieser faszinierenden Gesänge optimal ausgeschöpft. Ein Gewinn für das Programm sind außerdem die beiden wenig bekannten Stücke von Couperin (ein „Motet pour le jour de Pâques“) und De Lalande (eine „Cantique“ in französischer Sprache). Über diese Stücke hätte man im Beihefttext gern mehr erfahren.

Michael Wersin, 29.05.2021



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