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Johann Sebastian Bach

„Meins Lebens Licht“ (Kantaten BWV 45 und 198, Motette BWV 118)

Collegium Vocale Gent, Philippe Herreweghe

Phi/Note 1 LPH035
(58 Min., 1/2020)

Herreweghes geschniegelter Edel-Bach von seiner Sonnenseite: Wie ein Uhrwerk läuft der große, komplex koloraturengespickte Eingangschor von BWV 45, textverständlich, transparent, dabei sportlich in Tempo und Artikulation, ohne je gehetzt zu wirken. Thomas Hobbsʼ feiner Tenor leuchtet im folgenden Rezitativ und der anschließenden Arie aufs Vortrefflichste. Peter Kooij, der Unverwüstliche, schließt mit einem bewegten Christuswort-Arioso an. Alex Potter steuert dann, symmetrisch zum Tenorkollegen, mit seinem wohltimbrierten Alt noch eine Arie und ein Rezitativ bei. Einzig auf Dorothee Mields muss man warten – es sei denn, man hört sie mit feinem Ohr schon aus den Chorsätzen heraus, denn die vier Vokalsoli bilden den Kern des insgesamt mit 16 Sängerinnen und Sängern besetzen Ensembles. In der anderen großen Kantate des Programms, der eigenwilligen Trauerode BWV 198 nach einem Text von Gottsched, gibt es dann umso mehr Gelegenheit, sich über Dorothee Mieldsʼ stets schwerelosen und doch so ungemein gehaltvollen Sopran zu freuen. Vorzüglich gelingt in dieser Kantate auch das faszinierende Sterbeglocken-Accompagnato „Der Glocken bebendes Getön“. Zwischen den beiden Kantaten erklingt die Motette „O Jesu Christ, meinʼs Lebens Licht“, jene herrliche Choralbearbeitung, die Bach rätselhafterweise in einen ganz ähnlich strukturierten Orchestersatz kleidete wie seine Kuhnau-Bearbeitung „Der Gerechte kommt um“. Weiter so, Philippe Herreweghe – es sieht ganz danach aus, als könne auch aus dieser Serie am Ende eine Gesamtaufnahme aller Bach-Kantaten werden. Wer mehr über die Arbeit des Ensembles während dieser Aufnahme wissen möchte, der sei auf die diversen „making of“-Videos bei YouTube verwiesen, die den Entstehungsprozess dokumentieren. Hier ist auch einmal mehr zu sehen, dass Herreweghes Beitrag wahrlich nicht ein dirigentischer, sondern wohl eher ein beratender und punktuell inspirierender ist.

Michael Wersin, 05.06.2021



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