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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Agreements

Matthew Halpin

Frutex Tracks/Hey!blau FT012
(46 Min., 4/2019)

Hammond-Orgel, Saxofon, Gitarre, Drums, Percussion: Bei einer solchen Besetzung denkt man unweigerlich an Soul und Funk, Jimmy Smith und Stanley Turrentine, Gospelfauchen und Rare-Groove-Vergnügen. Nur Matthew Halpin scheint das anders zu sehen. Darauf lässt zumindest der Auftakt von „Agreements“ schließen, des ersten Albums, das der in Dublin geborene Wahl-Kölner unter eigenem Namen herausbringt.
Die Nummer „To-Do Today, To-Do Dismay“ lebt davon, dass ein durchaus einprägsames Motiv von Halpin am Tenorsaxofon, Hanno Busch an der Gitarre, dem Briten Kit Downs an der Hammond, dem Spanier Sergio Martínez an den Percussions sowie dem Iren Sean Carpio an den Drums in verschiedene Aggregatzustände versetzt wird. Zunächst köchelt es auf kleiner Flamme, dann wird es in einen eiskalten Fluss geworfen und zieht sich schockgefrostet zusammen, um aus seiner Starre langsam wieder erlöst, aufgetaut und verflüssigt zu werden.
Nach diesem abstrakten Beginn nähert sich das Quartett dann den Erwartungen an. „Dancing With the Devil“ bedient sich einer leichtfüßigen Souljazz-Drumbegleitung, „Dog Day Afternoon“ zeigt eine gewisse Affinität zu John Scofield und dem Blues, „The Beach“ wiederum entfacht eine Art Latin-Flair.
Dennoch klingt das alles nie formelhaft und nachempfunden, sondern offenbart stets einen Hang zur gewitzten Schräglage. Man merkt Halpin an, dass er bei Meistern wie Joe Lovano in Berklee ausgebildet wurde und Altvordere wie Sonny Rollins verehrt. Gleichzeitig meint man bei dem Iren aber auch ein gewisses rheinisches Element des gehobenen Un-Ernstes herauszuhören. Davon zeugen etwa Kompositionen wie „Awkward Handshakes“ oder „Pop Fiction“, die krummtaktig irgendwo zwischen Medeski, Martin & Wood, Django Bates, Swing- und Rumba-Persiflage irrlichtern.
Ohnehin durchziehen spacige Soundeffekte die Aufnahme wie die Gras-Rauchschwaden bei einem Treffen von berauschten Hippies am Rhein-Ufer. Vor diesem Hintergrund ist es auch stimmig, dass ein aus drei lakonischen Nixen bestehender Frauenchor, der gerade den Fluten entstiegen ist, das Album beendet. Ein unkonventioneller Trip.

Josef Engels, 12.06.2021



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