home

N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Responsive image
Josquin Desprez, Hieronymus Vinders, Jacquet de Mantua

The Golden Renaissance

Stile Antico

Decca/Universal 4851340
(82 Min., 7/2020)

Das 500. Todesjahr von Josquin Desprez findet seinen Widerhall auch in einigen Produktionen von Labels, die ansonsten nicht zu den häufigen Herausgebern von Alben mit Renaissance-Musik stehen. So hat sich Decca zu einem Josquin-Programm mit dem englischen Vokalensemble „Stile Antico“ entschlossen, das traditionell ohne Dirigenten arbeitet. Die Sängerinnen und Sänger stellen auf diesem Album Josquins „Missa pange lingua“ ins Zentrum, jenes spät in Josquins Leben entstandene Ordinarium, das Maßstäbe setzen sollten für die Stilistik kommender Jahrhunderte: Erstmals führt eine auf einem gregorianischen Cantus firmus beruhende Messe denselben nicht als starre Achse durchgehend in einer Stimme des Satzes. Stattdessen gewann Josquin aus den sechs Abschnitten des Fronleichnams-Hymnus sechs Soggetti, die in der Messe Satz für Satz mit Abschnitten des Messtextes verbunden werden und imitatorisch durch alle Stimmen laufen – die Idee der modernen motettischen Kompositionstechnik war geboren. Die „Missa pange lingua“ wird kombiniert mit marianischen Motetten Josquins, mit zwei geistlichen Werken von Hieronymus Vinders und Jacquet de Mantua sowie mit weltlichen Gesängen Josquins – hier aufgelistet mit absteigender Relevanz für das eigentliche Kern-Programm der Aufnahme. Das Ensemble „Stile Antico“ liefert in einer Zwölfer-Besetzung (plus einem weiteren Mann für einige wenige Titel) eine beachtlich homogene Wiedergabe dieser wundervoll klaren, zeitlos edlen Musik. Stimmtechnisch agieren die Sängerinnen und Sänger sehr britisch: Knabenhafte, schmal und hell geführte Frauenstimmen im Diskant, eine ebenfalls mit Frauen besetzte Alt-Lage, im Unterbau obertonreiche Männerstimmen. Ein sehr lichter, schwebender Klang ohne jegliche Erdenschwere ist das Ergebnis. Insgesamt wird nicht vollkommen Vibrato-frei gesungen, besonders im Bereich unbetonter Nebensilben, wodurch immer wieder ein leichtes Flirren entsteht. Sprachlich bedient man sich eines typisch angelsächsischen Lateins, dass italianisierend daherkommt, ohne sich tatsächlich die eigentlich weit differenzierteren italienischen Aussprache-Bandbreite der Vokale zu bedienen. Zum Kennenlernen der Musik Josquins sicher ein geeignetes Produkt.

Michael Wersin, 19.06.2021



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Für sein aktuelles Album hat der Trompeter Matthias Höfs ein Werk ausgegraben, das als das einzige ernstzunehmende romantische Trompetenkonzert des 19. Jahrhunderts gilt. Es stammt aus der Feder des deutsch-russischen Komponisten Oscar Böhme. Der 1870 bei Dresden geborene Komponist studierte in Deutschland und Ungarn und emigrierte anschließend nach Russland und nahm die russische Staatsangehörigkeit an. Trotz seiner Bemühungen um eine perfekte Integration in die russische Gesellschaft […] mehr


Abo

Top