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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Josquin Desprez, Hieronymus Vinders, Jacquet de Mantua

The Golden Renaissance

Stile Antico

Decca/Universal 4851340
(82 Min., 7/2020)

Das 500. Todesjahr von Josquin Desprez findet seinen Widerhall auch in einigen Produktionen von Labels, die ansonsten nicht zu den häufigen Herausgebern von Alben mit Renaissance-Musik stehen. So hat sich Decca zu einem Josquin-Programm mit dem englischen Vokalensemble „Stile Antico“ entschlossen, das traditionell ohne Dirigenten arbeitet. Die Sängerinnen und Sänger stellen auf diesem Album Josquins „Missa pange lingua“ ins Zentrum, jenes spät in Josquins Leben entstandene Ordinarium, das Maßstäbe setzen sollten für die Stilistik kommender Jahrhunderte: Erstmals führt eine auf einem gregorianischen Cantus firmus beruhende Messe denselben nicht als starre Achse durchgehend in einer Stimme des Satzes. Stattdessen gewann Josquin aus den sechs Abschnitten des Fronleichnams-Hymnus sechs Soggetti, die in der Messe Satz für Satz mit Abschnitten des Messtextes verbunden werden und imitatorisch durch alle Stimmen laufen – die Idee der modernen motettischen Kompositionstechnik war geboren. Die „Missa pange lingua“ wird kombiniert mit marianischen Motetten Josquins, mit zwei geistlichen Werken von Hieronymus Vinders und Jacquet de Mantua sowie mit weltlichen Gesängen Josquins – hier aufgelistet mit absteigender Relevanz für das eigentliche Kern-Programm der Aufnahme. Das Ensemble „Stile Antico“ liefert in einer Zwölfer-Besetzung (plus einem weiteren Mann für einige wenige Titel) eine beachtlich homogene Wiedergabe dieser wundervoll klaren, zeitlos edlen Musik. Stimmtechnisch agieren die Sängerinnen und Sänger sehr britisch: Knabenhafte, schmal und hell geführte Frauenstimmen im Diskant, eine ebenfalls mit Frauen besetzte Alt-Lage, im Unterbau obertonreiche Männerstimmen. Ein sehr lichter, schwebender Klang ohne jegliche Erdenschwere ist das Ergebnis. Insgesamt wird nicht vollkommen Vibrato-frei gesungen, besonders im Bereich unbetonter Nebensilben, wodurch immer wieder ein leichtes Flirren entsteht. Sprachlich bedient man sich eines typisch angelsächsischen Lateins, dass italianisierend daherkommt, ohne sich tatsächlich die eigentlich weit differenzierteren italienischen Aussprache-Bandbreite der Vokale zu bedienen. Zum Kennenlernen der Musik Josquins sicher ein geeignetes Produkt.

Michael Wersin, 19.06.2021



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