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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Ikonografische Quellen zählen zu den wichtigsten Hilfsmitteln für die Rekonstruktion alter Instrumente und der dazugehörigen Spieltechniken. In diesem Sinne hat sich Wim Becu eingehend mit einem Gemälde von Hans Meling aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts beschäftigt: Es heißt „Gottvater mit singenden und musizierenden Engeln“, gehörte zu einem großen Altarbild und zeigt Tasten-, Saiten- und Blasinstrumente, die von Engeln gespielt werden. Becu hat sich der Mühe unterzogen, nach dieser Quelle sogar einige der im Detail erkennbaren Instrumente nachbauen zu lassen und hat sich Gedanken darüber gemacht, wie sie gespielt worden sein könnten. Für die Produktion dieser CD hat er sich mit der Sängerin und Ensembleleiterin Barbara Kabátková zusammengetan und mit ihr ein Programm aus ein- und mehrstimmigen Stücken der betreffenden Zeit zusammengestellt, das die Thematiken der Himmelfahrt Christi und Mariens fokussiert.
Entstanden ist auf dieser Weise eine CD mit gregorianischen Gesängen und mehrstimmigen Sätzen von Guillaume Dufay, John Dunstable, Gilles Binchois und Jakob Obrecht. Die Gregorianik erklingt teils unbegleitet, teils improvisiert begleitet. Die mehrstimmige Musik wurde gemischt vokal und instrumental besetzt – ein Konzept, das zum Beispiel bei Dunstables Motette „Christe sanctorum“ mit Hana Blažiková (Sopran), Fidel (an Van Laethem) und Trompette des ménestrèls (Wim Becu) besonders gut aufgeht – oder für die instrumentale Widergabe bearbeitet (so Dufays Hymnus „Proels de caelo“). Mit denjenigen Bearbeitungen, die über den überlieferten Notentext hinausweisen – vor allem die begleitete Gregorianik – hat man sich durchaus ein wenig aus dem Fenster gelehnt, denn freilich weiß niemand, wie so etwas genau gemacht worden ist. Die Gewissenhaftigkeit der Vorgehensweise, die das Projekt von Anfang an kennzeichnet, spricht allerdings ebenso für sich wie das überwältigend homogene, auf bewegende Weise einnehmende Klangbild. Insofern ein als absolut geglückt zu bezeichnendes Projekt.

Michael Wersin, 31.07.2021



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