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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Bones

Michael Mayo

Artistry Music/in-akustik 0327074
(57 Min., k. A.)

Im Video zu seinem Song „You and You“ tritt Michael Mayo als Doppelgänger auf, der mit sich selbst singt. Ein treffenderes Bild hätte der Vokalist für seinen Einstand nicht wählen können. Denn Dualität ist das bestimmende Thema des Album-Erstlings, den der von Herbie Hancock geförderte Endzwanziger mit „Bones“ vorlegt.
So fungiert Mayo hier gleichzeitig als samtig-wendungsreicher Leadsänger und als Backgroundchor, dessen reiche Close-Harmony-Vokalfarben an Take 6 erinnern. Zudem ist er sowohl ein Wiedergänger von Bobby McFerrin und seiner puristischen Gesangskunst zwischen Improvisation und Klassik-Einflüssen als auch cleverer Nutzer von technischen Gerätschaften wie Loop-Pedal oder Verzerrer.
Da kann sein klarer Tenor dann mal klingen wie ein depressiver Maschinenmensch („Robot Man“) oder wie eine aufgedrehte Comic-Figur („20-20“). Im Stück „Stolen Moments“, das aus nicht weniger als 250 Vokal-Schichten besteht, zeigt der New Yorker auf faszinierende Weise, dass es für einen modernen Sänger auch ein Leben jenseits von Auto-Tune gibt.
Mayo vereinigt auf „Bones“ aber auch viele stilistische Gegensätze auf eine absolut stimmige Art. Bei ihm und seiner Band (Andrew Freedman am Keyboard, Bassist Nick Campbell und Drummer Robin Baytas) ist Platz für die Beach Boys genauso wie für DʼAngelo. Abgehackte Stakkato-Beats aus dem HipHop stehen neben Elementen aus neurotischem Indie-Rock. Und auch typische R&B-Shuffle-Grooves aus den 1990ern, ein angedeuteter Bach-Fugenbass oder Gesangsharmonien à la Earth, Wind & Fire werden in die rhythmisch höchst abwechslungsreich gestalteten Stücke ganz natürlich eingearbeitet.
Bei allen so punktgenau besungenen Ambivalenzen gib es zumindest eine Sache, die eindeutig ist: Mayo, der sich mit der Aufnahme auch explizit zu seiner Bisexualität und somit seiner innerlichen Dualität bekennt, gelingt mit „Bones“ ein großer Wurf. Ähnlich wie der Deutsche Michael Schiefel oder der Brite Jacob Collier definiert er die Möglichkeiten der Stimme im Zeitalter ihrer technischen Vervielfältigungspotenzen neu. Und das ganz sanft und mit sich im Reinen.

Josef Engels, 31.07.2021



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